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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 94. Band, (Jahrgang 1879)

Die  Kosmologie  und  allgemeine  Natnrlehre  des  Roger  Baco.

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bei  Baco  aufs  engste  damit  zusammen,  dass  sich  in  seinem
Denken  der  realistische  Kosmismus  der  aristotelischen  Philosophie ­
  in  einen  physikalischen  Realismus  umsetzte.  Er  präludirte
  hiemit  der  im  Cartesianismus  sich  vollziehenden  Auseinanderscheidung ­
  der  beiden  Welten  und  Erkenntnissgebiete,
des  geistigen  und  des  sinnlichen  —  mit  dem  Unterschiede
jedoch,  dass  der  Bereich  der  reinen  Intellectualerkenntniss  bei
Cartesius  nicht,  wie  bei  Baco  der  jenseitigen  Wirklichkeit  angehört, ­
  sondern  der  geistigen  lebendigen  Selbsterfahrung  des
menschlichen  Ich  im  menschlichen  Selbstgedanken  und  im
Aufleuchten  der  dem  menschlichen  Geiste  angebornen  Ideen
sich  ersehliesst.  Dieses  Gebiet  der  philosophischen  Geisterkenntniss
  sah  sich  Baco  verschlossen;  aber  auch  der  Cartesianismus ­
  vermochte  es  nicht  in  der  von  seinem  Urheber
versuchten  Weise  festzuhalten,  sondern  näherte  sich  im  111  uminismus
  Malebranche’s  einer  dem  Denken  Baco’s  jedenfalls
wieder  etwas  näher  verwandten  Auffassung  des  Verhältnisses
des  menschlichen  Intellectes  zur  übersinnlichen  geistigen  Wirklichkeit. ­
  Immerhin  aber  besteht  eine  nahe  Denkverwandtschaft
zwischen  Baco  und  Cartesius  in  Bezug  auf  die  geistige  Auffassung ­
  der  sinnlichen  Erfahrungswelt;  Baco  anticipirte  die
cartesische  Idee  einer  mathematisch  begründeten  Kosmophysik,
und  ist  von  Cartesius  principiell  eigentlich  nur  durch  sein
Festhalten  am  geocentrischen  Weltsystem  geschieden.  Dieses
Festhalten  war  die  Ursache  jener  wunderlichen  Gestaltung,
welche  der  physikalische  Realismus  Baco’s  als  astrophysiseher
Determinismus  annahm;  dieser  Determinismus  musste  hinwegfallen, ­
  sobald  die  Erde  aufhörte  als  passives  Centrum  und
Sammelherd  aller  vom  Weltumkrcise  ausgehenden  Kraftwirkungen ­
  zu  gelten.  Umgekehrt  aber  musste  die  im  Cartesianismus
vollzogene  Emancipation  des  Naturgedankens  vom  scholastischaristotelischen ­
  Formbegriffe,  an  welchem  Baco  wenigstens  relativ ­
  noch  festhielt,  dem  von  Baco  angebahnten  physikalischen
Realismus  zur  vollkommenen  Ausgeburt  verhelfen.  In  seinen
Anschauungen  über  die  unendliche  Theilbarkeit  des  Stofflichen
berührt  sich  Baco  sichtlich  mit  Cartesius;  1  seine  Annäherung
an  einen  spiritualisirten  Atomismus  würde  selbst  den  Gedanken

1  Vgl.  Cartesii  Principia  pliilosophiae  P.  II,  n.  20.
            
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