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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 94. Band, (Jahrgang 1879)

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W  emer.

Gebiet  der  Psychologie  und  Anthropologie,  er  wendet  sie  auf
die  Länder-  und  Völkerkunde  an,  er  verwerthet  sie  für  seine
religiös-philosophische  Geschichtsconstruction,  und  nimmt  in
Folge  dessen  unter  seinen  Zeitgenossen  wirklich  eine  ganz
eigenartige  Stellung  ein,  für  welche  sich  in  seinem  Zeitalter
keine  Parallele  auffinden  lässt.  Die  allgemeine  physikalische
Erdkunde  betreffend,  knüpft  er  seine  Erklärung  der  klimatologischen
  Unterschiede  der  Erdkugel  an  seine  eben  zuvor
auseinandergesetzte  Theorie  der  pyramidalen  Strahlungen  an,
die  von  der  Sonne  nach  den  verschiedenen  Theilen  der  kugelförmigen ­
  Erdoberfläche  ausgehend,  die  Unterschiede  der  Erdzonen ­
  begründen;  aus  den  vom  Monde  ausgehenden  Kraftstrahlungen ­
  werden  die  Phänomene  der  Fluth  und  Ebbe  des
Meeres  erklärt.  Dass  der  Mond  die  specifische  Ursache  dieser
Naturerscheinung  sei,  hat  zwar  noch  Alpetragius  nicht  eingesehen, ­
 1  wohl  aber  bereits  Abumasar  erkannt,  ohne  indess
näher  anzugeben,  wie  der  Mond  dieselbe  hervorbringe.  Aus
der  oben  auseinandergesetzten  Lehre  über  die  verschiedene
Wirkung  schief  einfallender  und  senkrecht  auffallender  Kraftstrahlen ­
  ergibt  sich,  dass  der  Mond  bei  seinem  Aufgange  nur
eine  schwache  Wirkung  ausüben  könne,  wenn  er  aber  in  der
Mitte  des  Himmelsgewölbes  steht,  eine  starke  Wirkung  auf
den  Meeresspiegel  äussern  müsse.  So  lange  er  nur  schwach
auf  das  Meerwasser  wirkt,  erheben  sich  wohl  Dünste  vom
Grunde  des  Meeres,  welche  die  Oberfläche  desselben  schwellen
machen;  er  hat  aber  noch  nicht  die  nöthige  Kraft,  die  Dünste
über  die  Oberfläche  des  Meerwassers  in  die  Luft  emporzuziehen,
daher  die  Erscheinung  der  Fluth.  Steht  er  aber  im  Zenith,
dann  hebt  er  die  Dünste  in  die  Luft  empor  und  verzehrt  sie,
daher  in  dem  Grade,  als  er  sich  dem  Zenith  nähert,  die  Fluth
sich  ermässiget,  bis  sie  endlich  in  die  Ebbe  umschlägt.  Bereits
Abumasar  hat  bemerkt,  dass  die  Fluth  und  Ebbe  nicht  bloss

'  Alpetragius  in  libro  suo  tle  motibus  coelestibus  aestimat,  omnia  Corpora
mundi  praeter  terram  moveri  motu  coeli  primi,  et  hoc  verum  est.  Sed
secundum  quod  magis  elongantur,  tardius  moventur  et  cum  majori  impedimento;
  unde  aqua  tardius  et  irregularius  movetur  in  sphaera  sua
quam  alia  Corpora  mundi.  Addit  ergo  iste,  quod  liie  motus  facit  fluxura
et  refluxum;  sed  non  placet  hic,  quia  tluxus  et  refluxus  sunt  determinati
et  certi,  et  currunt  licut  luna  variatur  in  partibus  coeli.  0.  c.,  p.  63.
            
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