Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 94. Band, (Jahrgang 1879)

596

Werner.

Strahlen  sind  die  accidentalen  Strahlen,  die  überdies  nur
auf  einem  längsten  Wege  in  Folge  von  Brechung  oder  Reflexion ­
  dort  anlangen  können,  wohin  die  ungebrochene  Gerade
auf  kürzestem  Wege  gelangt.  Von  den  tortuosen  Strahlen  und
den  Ursachen  ihrer  Windungen  war  in  der  Psychologie  Baco’s
die  Rede. 1  Ein  Strahl  kann  auf  eine  gegebene  gerade  Linie
oder  auf  ein  convexes  Kreissegment  senkrecht  oder  schief  auffallen. ­
  Im  ersteren  Falle  bildet  er  mit  der  Linie,  auf  welche
er  auffällt,  zwei  gleiche  Nebenwinkel,  die  entweder  rechte
oder  stumpfe  Winkel  sein  können;  im  letzteren  Falle  bildet
er  zwei  ungleiche  Nebenwinkel,  einen  stumpfen  und  einen
spitzen.  Der  zwei  gleiche  Winkel  bildende  Strahl  verfolgt
einen  kürzeren  Weg  als  der  schief  einfallende,  und  wirkt
demnach  auch  intensiver;  der  zwei  rechte  Winkel  bildende
Strahl  wirkt  vollkommener,  als  der  zwei  stumpfe  Winkel
bildende,  weil  sich  seine  Wirkung  nicht  so  sehr  zerstreuen
kann,  wie  jene  des  letzteren.  Was  von  der  geraden  oder  gekrümmten ­
  Linie  gilt,  auf  welche  ein  Strahl  auffällt,  gilt  auch
von  ebenen  oder  convexen  Flächen,  auf  welche  derselbe  Strahl
auffällt.  Fällt  er  aber  perpendiculär  auf  ein  coneaves  Kreissegment ­
  oder  coneaves  sphärisches  Segment,  so  kann  seine
Wirkung  keine  so  intensive  sein,  weil  er,  um  perpendiculär
auffallen  zu  können,  durch  das  Centrum  des  Kreises  oder  der
Kugel  gehen  muss,  deren  Segmente  die  erwähnten  Kreis-  oder
Sphärenstücke  sind,  und  demzufolge  sein  Weg  eine  bestimmte
Länge  haben  muss,  welche  die  auf  convexe  Kreis-  oder  Kugelsegmente ­
  auffallenden  Strahlen  nicht  haben  müssen.  Unter
den  gebrochenen  Strahlen  wirkt  der  reflectirte  schwächer  als
der  nicht  reflectirte. 2  Der  Strahl,  der  vom  Einfallsloth  gebrochen ­
  wird,  wirkt  schwächer  als  jener,  der  zum  Einfallsloth
gebrochen  wird. 3  Die  aus  den  himmlischen  Regionen  herabdringenden ­
  Strahlungen  werden  in  den  kosmischen  sublunarischen ­
  Medien  sämmtlieh  zum  Einfallsloth  gebrochen,  weil  diese
]  Siehe  Psychologie  u.  s.  w.  des  Roger  Baco,  S.  526,  Anm.  3.
2  Fracta  est  fortior  quam  reflexa,  quia  fortior  vadit  in  partem  incessus
recti  licet  parum  ab  eo  declinet;  reflexio  vero  vadit  in  contrarium  recti
incessus,  et  ideo  magis  debilitat  speciem  quam  fractio.  0.  c.,  p.  329.
3  Perpendicularis  est  fortior,  et  ideo  accessus  ad  eum  habet  fortitudinem
majorem.  Ibid.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.