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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 94. Band, (Jahrgang 1879)

Die  Kosmologie  und  allgemeine  Naturlehre  des  Roger  Baco.

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Anderes  will  auch  Aristoteles  nicht,  wenn  er  sagt,  dass  zwischen
dem  Agens  und  Patiens  nichts  Mittleres  sein  könne.
Dem  Gesagten  zufolge  kann  bei  der  Einwirkung  des  Agens
auf  das  Patiens  eine  Species  des  Agens  zunächst  nur  in  denjenigen ­
  Theilen  des  Patiens  erzeugt  werden,  in  welchen  sich
dieses  mit  dem  Agens  äusserlich  unmittelbar  berührt.  Diese
zunächst  afficirten  Theile  werden  hiedurch,  dass  aus  ihnen
Species  des  Agens  educirt  worden  sind,  zu  activen  Principien,
welche  auf  die  ihnen  zunächst  gelegenen  Theile  des  Patiens
wirken,  um  in  ihnen  eine  gleiche  Wirkung  hervorzubringen
und  aus  ihnen  eine  Species  dessen,  was  sie  selbst  durch  das
Agens  geworden  sind,  zu  educiren;  und  so  verpflanzt  sich
successiv  in  der  schon  oben  bezeichneten  strahlenförmigen  Weise
die  Wirkung  des  Agens  auf  das  Patiens  nach  allen  Richtungen
auf  die  Gesammtmasse  des  letzteren  fort.  Dies  ist  die  Grundanschauung ­
  der  Lehre  Baco’s  von  der  Multiplicatio  specierum,
welche  mit  seiner  oben  besprochenen  Ansicht  über  die  innere
Getheiltheit  alles  Körperlichen  enge  zusammenhängt,  und  seinem
physikalischen  Realismus  die  generelle  mathematisch-somatische
Hinterlage  darbieten  soll.  Die  erste  unmittelbare  Berührung
des  Patiens  durch  das  Agens  ist  nicht  so  zu  verstehen,  als  ob
das  Patiens  hiebei  bloss  an  seiner  Oberfläche  berührt  würde;
denn  die  vom  Agens  unmittelbar  berührten  Theile  des  Patiens
sind  nicht  körperlose  Flächen,  sondern  wenn  auch  so  kleine
Körperlichkeiten,  die  eine  Tiefe  haben  müssen,  weil  sie  ohnedem ­
  weder  tangirt  noch  alterirt  werden  könnten.  1  Baco  erklärt,
dass  zur  Ausübung  einer  solchen  ersten  unmittelbaren  Wirkung
des  Agens  auf  das  Patiens  nicht  eine  bestimmte  Quantität  des
letzteren  als  Materia  substrata  der  Action  erforderlich  sei,  so
dass  eine  kleinere  Quantität  nicht  ausreichte;  dies  hiesse  den
unbeseelten  Agentien  der  Körperwelt  eine  Virtus  augmentativa
zuschreiben,  wie  sie  beseelten  Körperwesen  eigen  ist, 2  und

1  0.  c.,  p.  283.
2  Nam  tune  in  rebus  inanimatis  oporteret  ponere  virtutem  augmentativam,
sieut  in  inanimatis,  nt  per  aliquot!  corporale  veniens  convertendum  in  rem
animatam  virtus  illa  augmentativa  duceret  illam  rem  ad  debitam  quantitatem,
  in  qua  possit  operari,  sicut  accidit  de  animatis  pro  actione  generandi
  secundum  propagationem.  Haec  enim  est  necessitas,  quare  in  rebus
animatis  est  augmentatio.  O.  c.,  p.  284.
Sitznngsber.  <i,  phil.-hist.  CI.  XCIV.  Bd.  II.  Hft.

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