Die Kosmologie und allgemeine Naturleliro des Roger Baco.
581
gesetzten Species sind die Vehikel alles Geschehens und Gewirktwerdens
in der Welt, in der physischen sowohl als auch
in der geistigen. 1 Jedermann weiss, dass durch Impressionen
im Intellecte und in den Sinnen Species erzeugt werden; das
Gleiche gilt von Allem in der Welt, was Stoff und Substrat
irgend einer Einwirkung wird. Die Engel erhalten das sichtbare
Weltall in Bewegung durch jene Virtutes, welche sie in den
von ihnen virtuell afficirten Himmelssphären erwecken. Die
menschliche Seelensubstanz wirkt in ähnlicher Weise auf den
menschlichen Körper und mittelst desselben auf die in den
Wirkungsbereich des Menschen fallenden sinnlichen Objecte;
jeder Körper setzt ausserhalb seiner selbst solche Species. Baco
bekämpft ausdrücklich die Ansicht Jener, welche sagen, dass
nur die Accidentien Species causiren. 2 Man berufe sich zwar
auf den aristotelischen Ausspruch im siebenten Buche der
Physica: Quäle alterat et altcratur in eo quid sensibile, ut fiat
vis in hoc. 3 An dieser Stelle ist jedoch nur von den in den
Bereich der Accidenzkategorien fallenden Alterationen die Rede,
per eam primo factam posait educere de potentia materiae effectum
completum, quem intendit; et ideo nulli dubium est, quin species sit
primus effectus. Quod vero iste primus effectus cujuslibet agentis naturaliter
similis sit ei in essentia specifica et natura et operatione, manifestum
est . . ., quia agens intendit- assimilare sibi patiens, et statim quando
operatur in patiens, assimilat illud sibi et facit illud patiens esse tale,
quäle est ipsum agens in actu, sicut Aristoteles dicit. Ibid.
1 Op. maj., p. 49.
2 O. c., p. 27G.
3 Vgl. Aristot. Physic. VII, c. 3, p. 245 b, lin. 3 ff.: xo aXXotoupvov arcav
aXXoiouxoa ut:o twv aiaQyjxcov, xat iv jxovotc U7:dpy_£i xouxoi; aXXofcoaig oaa
xaO 1 auxa Xiyszai Tcaayetv Otto xtov ataO^xtov. Auf p. 244 bringt Bekker im
Raume der Anmerkungen unter dem Texte des zweiten Capitels die vom
überlieferten Texte ausgeschiedenen paraphrasirenden Zusätze bei, unter
welchen sich folgende Stelle findet (p. 244 a, lin. 28 f.): to yap tzoi'ov
aXXoiouxai iw ai<r07jxbv etvat, ata07)Ta o’ saxiv oi; GiacpspouGt xa atouaxa
aXX7]Xcov, o-.ov ßapur/)? xou:pbx7](;, a/.X7)pbx7); (j.aXax.bx7j? x. x. X. — Baco klagt
hier wieder über schlechte Uebersetzungen und die hiedurch veranlassten
falschen Auslegungen; in dem Texte, welchen Thomas Aq. (Physic. VIT,
leett. 4 et 5) commentirte, sind beide angeführte Stellen richtig wiedergegeben.
Vgl. übrigens über die Versetzungen des Textes des siebenten
Buches mit Paraphrasen L. Spengel: Ueber das siebente Buch der Physik
des Aristoteles. Abgedruckt in den Abhandlungen der Münchner
Akademie I. Classe, Band III, Abtheilnng 2, S. 305—350.