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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 94. Band, (Jahrgang 1879)

Dio  Kosmologie  und  allgemeine  Naturlehre  des  Roger  Baco.

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Dessungeachtet  lässt  sich  nicht  verkennen,  dass  bei  Baco  auch
hierin  die  dunkle  Ahnung  einer  Erkenntniss  aufdämmerte,  welche
in  der  neuzeitlichen  Naturkunde  aus  dom  Einblicke  in  die  Natur
des  Lichtes  als  des  höchsten  und  principalen  Agens  der  sichtbaren ­
  Wirklichkeit  sich  herausgesetzt  hat.
Baco  setzt  das  Licht  in  der  Reihe  der  nicht  substanziellen
Agentien  obenan,  und  rechnet  es  zusammt  den  vier  primären
Qualitäten  der  Körper:  Calidum,  Frigidum,  Humidum,  Siccum
unter  diejenigen  Agentien,  welche  sich  aus  sich  in  der  Materia
substrata  ihres  Wirkens  vollkommen  wiedersetzen  können,  was
weder  die  substanziellen  Agentien,  noch  die  schwächeren  nicht
substanziellen  Agentien:  Farbe,  Ton,  Geruch  und  Geschmack
vermögen.  1  Die  substanziellen  Agentien  können  sich  in  der
Materia  substrata  ihres  Wirkens  entweder  überhaupt  nicht
wiedersetzen,  wie  die  körperlosen  Geistwesen,  die  Himmelskörper ­
  und  unbeseelten  irdischen  Körper,  indem  alle  diese
Agentien  überhaupt  keiner  generativen  Selbstfortpflanzung  fähig
sind;  oder  sie  können  sich  nur  unter  Obmacht  der  siderischen
Kräfte  und  Einflüsse  auf  dem  Wege  der  Generation  fortpflanzen,
wie  die  beseelten  irdischen  Wesen.  Da  nun  das  Licht  unter
denjenigen  Agentien,  welche  in  einem  gegebenen  Stoffe  sich
aus  sich  selbst  allein  vollkommen  zu  reproduciren  vermögen,
das  höchste  ist,  so  erhellt  daraus,  dass  das  Licht  ein  in  seiner
Art  vollkommenstes  Agens  ist,  dessen  Wirklingsgesetze  sonach
auch  jene  aller  übrigen  körperlichen  Agentien  sind,  und  nach
deren  Analogie  auch  die  Wirkungsweisen  der  geistigen  Agentien
zu  verstehen  sind.  Die  Wirkungsgesetze  des  Lichtes  werden
aber  mit  Hilfe  der  Mathematik  erkannt.  Da  nämlich  die
Wirkung  des  Lichtes  in  geradliniger  Strahlung  sich  ausbreitet,
und  die  Brechungen  und  Reflexionen  der  geradlinigen  Strahlen
bestimmte  Winkel  bilden,  deren  Messung  die  Geometrie  lehrt,
so  ist  hieraus  ersichtlich,  dass  die  Wirkungsweisen  des  Lichtes
durchgängig  der  Cognition  eines  mathematisch  gebildeten  Denkens ­
  unterliegen.  Dasselbe  gilt  selbstverständlich  von  allen

colorum.  Nam  prius  egt  color  quam  videatur  hic,  nt  a  diversis  videtur  in
eodem  loco;  sed  liic  ex  aspectu  egt  apparitio,  et  ideo  non  potest  esse
veritas  sed  sola  apparentia.  Op.  maj.  p.  3-17.
1  Op.  tert.,  c.  31.
            
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