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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 94. Band, (Jahrgang 1879)

in  einer  dichten  Dunstwolke  durch  einen  von  den  leuchtenden
Gestirnen  ausgehenden  Strahlenkegel,  der  auf  der  oberen  Seite
der  Dunstmasse  seine  Basis  hat;  beim  Eintritte  in  die  Masse
werden  die  Strahlen  gebrochen,  beim  Austritte  aus  derselben
abermals,  so  dass  sie  convergiren  und  abermals  einen  Lichtkegel
bilden,  dessen  Spitze  in  das  Auge  des  Beschauers  fällt. 1
Baco  verwirft  die  aus  dem  Texte  des  Aristoteles  geschöpfte
Erklärung  der  Farben  Verschiedenheit  der  Iris,  wonach  diese
Verschiedenheit  darin  gegründet  wäre,  dass  die  thaucnde  Wolke
an  der  einen  Stelle  dichter  und  an  der  anderen  minder  dicht
wäre,  und  der  grösseren  oder  geringeren  Dichtigkeit  eine  dunklere ­
  oder  hellere  Farbe  zu  entsprechen  hätte. 2  Er  meint,  dass
diese  Erklärung  schon  durch  das  Experiment  mit  dem  Krystall,
der  obschon  durchwegs  von  gleicher  Dichtigkeit,  das  Licht  in
die  Irisfarben  zerlege,  widerlegt  sei,  und  kann  sich  auch  nicht
entschliessen  zu  glauben,  dass  sie  wirklich  von  Aristoteles
selber  herrühre.  Er  klagt,  wie  sonst,  so  auch  hier  wieder
über  mangelhafte  Uebersetzungen,  ja  er  vermuthet,  dass  selbst
der  griechische  Text  nicht  unentstellt  überliefert  worden  sei.
Diese  Skepsis  Baco’s  ist  offenbar  von  einer  vorurtheilsvollen
Voreingenommenheit  beeinflusst;  es  steht  ausser  Zweifel,  dass
Aristoteles  das  Farbenphänomen  der  Iris  nicht  wie  Baco  für
eine  bloss  subjective  Sinnesapperception  hielt,  daher  er  darauf
angewiesen  war,  die  objectiven  Gründe  desselben  aufzusuchen,
und  kaum  andere,  als  die  von  Baco  verworfenen  aufzufinden

1  Da  mehrere  Beschauer  dasselbe  Phänomen  wahrnehmen,  so  müssen  von
verschiedenen  Punkten  des  lichtanssendenden  Gestirns  verschiedene  Lichtkegel ­
  ausgeh  eu,  deren  Strahlen,  gebrochen  durch  die  Dunstmasse  hindurchgehend,
  beim  Austritte  aus  derselben  convergiren:  Si  plures  aspiciant
coronam,  oportet  quod  ....  ab  aliis  punctis  solis  veniant  a  singulis
punctis  solis  .  .  .  Manifestum  est  ergo,  quod  ad  oculum  cujüslibet  venit
una  pyramis,  cujus  radii  veniunt  a  puncto  solis  determinato,  ita  quod  ab
uno  puncto  ad  unum  oculum  veniant  radii,  et  ad  alium  oculum  ab  alio,
et  ad  tertiuin  a  tertio.  O.  c.,  p.  351.
2  Habetur  hoc  in  textu  Aristotelis  vulgato,  uude  dicunt,  secundum  quod
materia  spissior  est,  videtur  esse  nigrior,  et  secundum  quod  minus  spissa,
videtur  esse  color  lazuli,  et  secundum  quod  minus  spissa,  videtur  viridis
esse,  et  si  minus,  videtur  vinosa  et  rubea;  secundum  quod  adhuc  minus,
videtur  esse  glauca  et  subrubea,  et  secundum  quod  rarior,  videtur  esse
alba.  0.  c.  p.  348.
            
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