in einer dichten Dunstwolke durch einen von den leuchtenden
Gestirnen ausgehenden Strahlenkegel, der auf der oberen Seite
der Dunstmasse seine Basis hat; beim Eintritte in die Masse
werden die Strahlen gebrochen, beim Austritte aus derselben
abermals, so dass sie convergiren und abermals einen Lichtkegel
bilden, dessen Spitze in das Auge des Beschauers fällt. 1
Baco verwirft die aus dem Texte des Aristoteles geschöpfte
Erklärung der Farben Verschiedenheit der Iris, wonach diese
Verschiedenheit darin gegründet wäre, dass die thaucnde Wolke
an der einen Stelle dichter und an der anderen minder dicht
wäre, und der grösseren oder geringeren Dichtigkeit eine dunklere
oder hellere Farbe zu entsprechen hätte. 2 Er meint, dass
diese Erklärung schon durch das Experiment mit dem Krystall,
der obschon durchwegs von gleicher Dichtigkeit, das Licht in
die Irisfarben zerlege, widerlegt sei, und kann sich auch nicht
entschliessen zu glauben, dass sie wirklich von Aristoteles
selber herrühre. Er klagt, wie sonst, so auch hier wieder
über mangelhafte Uebersetzungen, ja er vermuthet, dass selbst
der griechische Text nicht unentstellt überliefert worden sei.
Diese Skepsis Baco’s ist offenbar von einer vorurtheilsvollen
Voreingenommenheit beeinflusst; es steht ausser Zweifel, dass
Aristoteles das Farbenphänomen der Iris nicht wie Baco für
eine bloss subjective Sinnesapperception hielt, daher er darauf
angewiesen war, die objectiven Gründe desselben aufzusuchen,
und kaum andere, als die von Baco verworfenen aufzufinden
1 Da mehrere Beschauer dasselbe Phänomen wahrnehmen, so müssen von
verschiedenen Punkten des lichtanssendenden Gestirns verschiedene Lichtkegel
ausgeh eu, deren Strahlen, gebrochen durch die Dunstmasse hindurchgehend,
beim Austritte aus derselben convergiren: Si plures aspiciant
coronam, oportet quod .... ab aliis punctis solis veniant a singulis
punctis solis . . . Manifestum est ergo, quod ad oculum cujüslibet venit
una pyramis, cujus radii veniunt a puncto solis determinato, ita quod ab
uno puncto ad unum oculum veniant radii, et ad alium oculum ab alio,
et ad tertiuin a tertio. O. c., p. 351.
2 Habetur hoc in textu Aristotelis vulgato, uude dicunt, secundum quod
materia spissior est, videtur esse nigrior, et secundum quod minus spissa,
videtur esse color lazuli, et secundum quod minus spissa, videtur viridis
esse, et si minus, videtur vinosa et rubea; secundum quod adhuc minus,
videtur esse glauca et subrubea, et secundum quod rarior, videtur esse
alba. 0. c. p. 348.