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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 94. Band, (Jahrgang 1879)

Die  Kosmologie  und  allgemeine  Naturlehre  des  Roger  Baco.

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Himmels  in  Verbindung  mit  den  von  den  Gestirnen  ausgehenden ­
  physikalischen  Einflüssen  zur  Erklärung  der  Entstehung
der  individuellen  Sonderdinge  der  Erde;  selbstverständlich  hat
man  die  Intervenienz  der  allgegenwärtigen  allwirkenden  Gottheit ­
  als  höchsten,  absoluten  Erklärungsgrund  der  Entstehung
und  Bildung  alles  Einzelnen  herbeizuziehen.  Dieses  gehcimnissvolle
  Wirken  der  göttlichen  Causalität  liegt  aber  ausser
dem  Bereiche  der  physikalischen  Erforschung;  darum  legt
Baco  das  Hauptgewicht  auf  die  Erklärung  des  Zustandekommens ­
  der  irdischen  Sonderdinge  als  physikalischer  Objecte.
Wir  haben  überdies  hinlänglich  gesehen,  dass  für  ihn  die  Formen
der  sichtbaren  Erdendinge  und  der  Körperdinge  insgemein  nicht
jene  Bedeutung  haben  oder  haben  können,  wie  für  Albert;  sie
sind  ihm  nicht  Reflexe  der  göttlichen  Urform  im  Stoffe,  sondern
die  sinnlichen  Ausdrücke  göttlicher  Gedankenobjecte.  Eben
dieser  letzte  Umstand  macht  es  nothwendig,  ihre  Wesensformation ­
  sich  als  ein  unter  unmittelbarer  göttlicher  Concurrenz
zu  Stande  kommendes  Geschehen  zu  denken;  aus  den  Einwirkungen ­
  der  siderischen  Welt  sind  nur  die  physikalischen
Qualitäten  und  Complexionsverhältnisse  der  irdischen  Sonderdinge ­
  und  Lebewesen  zu  erklären.  Dass  die  der  irdischen
Stofflichkeit  eignenden  Conatus  mit  den  Kationes  seminales
anderer  Scholastiker,  eines  Albertus  oder  Bonaventura 1  sich
nicht  identifleiren  lassen,  glauben  wir  oben 2  aufgewiesen  zu
haben.  Auch  würde  eine  derartige  Annahme  mit  der  Analogie,
welche  wir  zwischen  dem  in  Baco’s  Erkenntnisslehre  aufgewiesenen ­
  Verhältnis  der  göttlichen  Causalität  zur  menschlichen
Erkenntnissthätigkeit  und  dem  auf  kosmologischem  Gebiete
statthabenden  Verhältnis  der  göttlichen  Schaffensthätigkeit  zur
bildenden  Thätigkeit  der  Natur  anzunehmen  haben,  nicht  im
Einklänge  stehen;  der  göttliche  Intellectus  agens,  in  welchem
sich  die  menschlichen  Intellectionen  vermitteln,  wird  auch  der
Wirker  der  Formae  naturales  rerum  generabilium  sein.
Unter  den  himmlischen  Instrumentalursachen  des  göttlichen ­
  Intellectus  agens  nimmt  bei  Baco  der  Sonnenkörper  eine
hervorragende  Stelle  ein.  Obschon  er  nämlich  im  Gegensätze

1  Vgl.  Bonaventura  Sentt.  II,  dist.  7,  art.  2,  qu.  1.
2  Siehe  oben  S.  501.
            
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