Die Kosmologie und allgemeine Naturlehre des Roger Baco.
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Himmels in Verbindung mit den von den Gestirnen ausgehenden
physikalischen Einflüssen zur Erklärung der Entstehung
der individuellen Sonderdinge der Erde; selbstverständlich hat
man die Intervenienz der allgegenwärtigen allwirkenden Gottheit
als höchsten, absoluten Erklärungsgrund der Entstehung
und Bildung alles Einzelnen herbeizuziehen. Dieses gehcimnissvolle
Wirken der göttlichen Causalität liegt aber ausser
dem Bereiche der physikalischen Erforschung; darum legt
Baco das Hauptgewicht auf die Erklärung des Zustandekommens
der irdischen Sonderdinge als physikalischer Objecte.
Wir haben überdies hinlänglich gesehen, dass für ihn die Formen
der sichtbaren Erdendinge und der Körperdinge insgemein nicht
jene Bedeutung haben oder haben können, wie für Albert; sie
sind ihm nicht Reflexe der göttlichen Urform im Stoffe, sondern
die sinnlichen Ausdrücke göttlicher Gedankenobjecte. Eben
dieser letzte Umstand macht es nothwendig, ihre Wesensformation
sich als ein unter unmittelbarer göttlicher Concurrenz
zu Stande kommendes Geschehen zu denken; aus den Einwirkungen
der siderischen Welt sind nur die physikalischen
Qualitäten und Complexionsverhältnisse der irdischen Sonderdinge
und Lebewesen zu erklären. Dass die der irdischen
Stofflichkeit eignenden Conatus mit den Kationes seminales
anderer Scholastiker, eines Albertus oder Bonaventura 1 sich
nicht identifleiren lassen, glauben wir oben 2 aufgewiesen zu
haben. Auch würde eine derartige Annahme mit der Analogie,
welche wir zwischen dem in Baco’s Erkenntnisslehre aufgewiesenen
Verhältnis der göttlichen Causalität zur menschlichen
Erkenntnissthätigkeit und dem auf kosmologischem Gebiete
statthabenden Verhältnis der göttlichen Schaffensthätigkeit zur
bildenden Thätigkeit der Natur anzunehmen haben, nicht im
Einklänge stehen; der göttliche Intellectus agens, in welchem
sich die menschlichen Intellectionen vermitteln, wird auch der
Wirker der Formae naturales rerum generabilium sein.
Unter den himmlischen Instrumentalursachen des göttlichen
Intellectus agens nimmt bei Baco der Sonnenkörper eine
hervorragende Stelle ein. Obschon er nämlich im Gegensätze
1 Vgl. Bonaventura Sentt. II, dist. 7, art. 2, qu. 1.
2 Siehe oben S. 501.