Die Kosmologie und allgemeine Naturlehre des Roger Baco.
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Dies ist der Sinn der Erörterungen, welche Baco an eine
vielgedeutete und nach seiner Ansicht vielfach unrichtig gedeutete
Digression im vierten Buche der aristotelischen Physik
über das Vacuum anknüpft. Die von Aristoteles bekämpften
Vertheidiger des Vacuum — bemerkt Baco 1 — glaubten mittelst
desselben die Möglichkeit der Bewegung der Körper im
Raume erklären zu sollen. Unter den Bestreitern des Vacuum
meinten einige die bekämpfte Lehre am leichtesten durch den
Einwand beseitigen zu können, dass unter Voraussetzung eines
Vacuum die Versetzung eines Körpers von einem Orte an den
anderen sich nicht in der Zeit, sondern im Momente vollziehen
würde, so dass im gegebenen Falle keine Bewegung, sondern
bloss eine Ortsvertauschung statthätte. Dieses Argument suchte
man aus Aristoteles zu erhärten, welcher ausdrücklich sage,
dass zwischen Leerem und Vollem gar kein Verhältniss bestehe,
während das Volle zu einem noch so dünnen Medium
in einem bestimmten messbaren Verhältniss stehe, durch welches
die Bewegung des durchschreitenden Körpers und die Zeit der
Bewegung bestimmt werde; es könne sonach beim Wegfall
eines realen Mediums auch von Zeit und Bewegung keine Rede
sein. 2 In diesem Sinne werden die bezüglichen Worte des
Aristoteles auch von Albertus Magnus ausgelegt; 3 Baco hingegen
behauptet, dass man zwischen der Bewegung im Allgemeinen
und zwischen der natürlichen Bewegung unterscheiden
müsse, und nur von letzterer habe das in der angeführten
Stelle Gesagte zu gelten. Aristoteles spreche daselbst nicht als
Mathematiker, sondern als Physiker. Im Hinblicke auf den
Umstand, dass sich auch dem leeren Raume die geometrischen
Maasse appliciren lassen, glaubten Andere unter Berufung auf
Averroes sagen zu sollen, dass im leeren Raume allerdings
eine zeitlich fortschreitende Bewegung möglich sei, nur keine
natürliche, sondern eine durch willkürliches Wollen gefügte.
Baco gibt zu, dass, wenn eine Bewegung im Vacuum möglich
wäre, sie eine fortschreitende sein müsste; sie sei aber über-1
Op. tert., c. 42.
2 Tb xevov t:po; xo TxXfJpe«; ouöeva o!ov xe I'/eiv Xo'yov, toax’ ouoe X7jv -/.(vrjaiv,
aXX’ eI oia tou AE7rroTaTou ev ToawBk Trjv tocj^voe <pcpsTai, Bia *tou zevou
ratvrb; üz£pßäX?.£i Xo'you. Physic. IV, p. 215 b, lin. 20 ff.
3 Physic. Lib. IV, tr. 2, c. 6.