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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 94. Band, (Jahrgang 1879)

Die  Kosmologie  und  allgemeine  Naturlehre  des  Roger  Baco.

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halb  des  äussersten  Weltumfanges  undenkbar  macht.  Das
Leere  ist  gemäss  der  von  den  Vertheidigern  seiner  Realität
gegebenen  Begriffsbestimmung  ein  Ort,  welcher  des  Körperlichen ­
  beraubt,  aber  dasselbe  in  sich  aufzunehmen  befähiget
ist;  ein  Vacuum  ausserhalb  des  Himmels  oder  äussersten  Weltkreises ­
  wäre  ein  Ewiges,  in  welchem  Posse  und  Esse  zusammenfällt, ­
  also  das  Vacuum  als  Possibilitas  corporalitatis  von  selbst
in  eine  perpetuirliche  Körperlichkeit  Umschlagen  würde,  während
doch,  wie  Aristoteles  an  einem  anderen  Orte  1  beweist,  ausserhalb ­
  des  äussersten  Umfanges  der  Welt,  welcher  wir  angehören,
ein  Körper  nicht  denkbar  ist.  Ist  ausser  der  Welt,  welcher
wir  angehören,  kein  Vacuum  möglich,  so  ist  sie  die  einzige
mögliche  Welt,  ausser  welcher  es  keine  andere  gibt.  Denn
jede  andere  Welt  müsste  gleich  der  unseren  sphärisch  geformt
sein, 2  und  könnte  demzufolge  nur  in  einem  einzigen  Punkte
unsere  Welt  berühren,  würde  aber  zugleich  mit  unserer  Welt
von  dem  denkunmöglichen  Vacuum  umgeben  sein  müssen.
Die  Denkunmöglichkeit  des  Vacuum  nöthiget  Baco,  auch
die  Sphäricität  der  Welt  aus  physikalischer  Denknothwendigkeit
zu  erhärten,  trotzdem,  dass  wir  ihn  oben  die  sphärische  Weltgestaltung ­
  als  etwas  nur  per  accidens  Statthabendes  bezeichnen
gehört  hatten.  Wenn  die  Idee  des  räumlichen  Universums  ein
Ineinandersein  der  einzelnen  Kreise  desselben  in  concentrischen
Sphären,  also  überhaupt  eine  sphärische  Gestaltung  des  Weltganzen ­
  nicht  denknothwendig  involvirt,  so  haben  wir  daraus
zu  entnehmen,  dass  ihm,  seinem  grundsätzlichen  physikalischen ­
  Realismus  entsprechend,  der  Gedanke  eines  sphärisch  geschlossenen ­
  Weltganzen  nicht  als  philosophische  Idee,  sondern
als  mathematisch-physikalische  Denknothwendigkeit  Wahrheit
hat.  Dies  gibt  sich  auch  darin  zu  erkennen,  dass  er  die  durch
dialektische  Gründe  ermittelte  Denkunmöglichkeit  des  Vacuum
nicht  zum  positiven  Erklärungsgrunde  der  sphärischen  Weltgestaltung ­
  gemacht  sehen  will. 3  Der  positive  Grund  liegt  vielmehr ­
  in  der  als  empirische  Thatsache  feststehenden  Bewegung ­
  des  Weltganzen  um  einen  unbewegten  Mittelpunkt;  diese
1  Coel.  et  Mund.  I,  p.  278  b,  lin.  20  ff.
2  Op.  maj.,  p.  76.
3  Impossibile  est  quod  pura  negatio  sit  causa  alicujus  affirmationis;  sed
ne  sit  vacuum,  pura  negatio  est.  Op.  maj.,  p.  71.
            
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