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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 94. Band, (Jahrgang 1879)

Die  Kosmologie  und  allgemeine  Naturlehre  des  Roger  Baco.

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Baco’s  sich  wirklich  bereits  vollzogen  hat;  für  ihn  ist  wirklich
der  Körper  ein  Complex  unendlich  vieler  raumloser  Punkte,  und
seine  Meinung  ist  nur,  dass  das  menschliche  Denken  mit  dem
Vollzüge  der  actuellen  Theilung  des  Continuum  in  diese  seine
unendlich  vielen  unausgedehnten  Componenten  niemals  zu  Ende
zu  kommen  vermag.  Darum  kann  er  genau  so  wie  Duns  Scotus
auf  dem  Wege  geometrischer  Demonstration  die  Unauflösbarkeit
des  Continuum  in  discrete  Punkte  erweisen;  ja  efr  ist  der  eigentliche ­
  Urheber  der  von  Scotus 1  ins  Werk  gesetzten  geometrischen
Demonstrationen.  Die  eine  derselben,  welche  von  der  Incommensurabilitiit
  des  Diameter  eines  gleichseitigen  Viereckes  mit
den  beiden  Seitenlinien  des  Viereckes  hergenommen  ist,  rührt
direct  von  Baco  her; 2  er  sagt  selber,  dass  er  sie  ersonnen
habe,  weil  ihn  nicht  nur  die  vorliegenden  mangelhaften  Uebersetzungen
  des  Aristoteles  im  Unklaren  Hessen,  sondern  auch
die  Widerlegung  der  Atomisten  dem  Aristoteles  nicht  vollständig
gelungen  zu  sein  scheine. 3  Baco  gibt  zu  erkennen,  dass  er
die  Argumente  der  Atomisten  für  sehr  gewichtig  und  schwer
widerlegbar  halte;  er  vergleicht  sie  mit  einer  Herkuleskeule,
deren  wuchtige  Schläge  er  indess  wirksam  abgewehrt  zu  haben
glaubt.  Scotus  seinerseits  sucht  die  von  ihm  als  verdeckte
Zugeständnisse  an  die  Atomisten  aufgefassten  Anschauungen
Baco’s  durch  die  Stärke  seiner  Logik  zu  entkräften.  Seine
Ausführungen  gelten  dem  Bemühen,  der  subjectiven  Denknothwendigkeit
  auch  den  Charakter  objectiver  Wahrheit  zu
vindiciren,  im  gegebenen  Falle  also  in  der  Unmöglichkeit,  mit
der  im  Gedanken  ins  Unendliche  sich  fortsetzenden  Theilung
des  stofflichen  Continuum  je  ans  Ende  zu  kommen,  einen
Reflex  der  objectiven  sachlichen  Beschaffenheit  des  stofflichen
Continuum  zu  erkennen.  Er  verwirft  demnach  die  Distinctionen,
welchen  gemäss  der  Satz:  Possibile  est  continuum  dividi

1  L.  c.,  n.  10  ff.
2  Vgl.  Op.  maj.,  p.  70.
3  Aristoteles  multum  nititur  ad  solvendum;  nec  habemus  aliquam  reprobationem
  certam  de  bac  positione  per  Aristotelem.  Et  ideo  addidi  demonstrationem
  geometrieam,  quae  destruit  banc  positionem  finaliter.  Nam  ex
ea  sequitur  quod  diameter  sit  commensurabilis  costae,  et  non  solum
commensurabilis  sed  aequalis,  quorum  utrumque  est  impossibile.  Op.
tert.,  c.  39.
            
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