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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 94. Band, (Jahrgang 1879)

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Werner,

Bewegung  der  Engel  handelte,  wurden  wir  auf  den  zwischen
Baco  und  Duns  Scotus  obwaltenden  Gegensatz  aufmerksam.
Die  eben  auseinandergesetzte  spiritualisirte  Atomenlehre  Baco’s
wird  aber  von  Scotus  zum  Gegenstände  einer  directen  Polemik
gemacht,  in  welcher  unmittelbar  Baco’s  selbsteigene  Worte 1
angeführt  und  kritisch  beleuchtet  werden.  Baco  formulirt  die
Anschauung  der  von  ihm  bekämpften  Atomisten  in  folgendem
Satze:  ,Es  ist  möglich,  dass  ein  Körper  in  alle  seine  Punkte
actuell  getheilt  sei,  und  zwar  allgemein  möglich  wegen  der
Compossibilität  der  Actualität  des  Getheiltseins  aller  einzelnen
Punkte*.  Erläutert  wird  dies  durch  ein  Beispiel:  Es  ist  compossibel,
  dass  Sokrates,  dass  Plato,  dass  viele  Andere  reden;
die  Möglichkeit,  dass  der  Eine  rede,  schliesst  nicht  die  Möglichkeit ­
  aus,  dass  auch  jeder  Einzelne  der  Uebrigen  rede.  Baco
gibt  nun  seinerseits  zu,  dass  das  angeführte  Beispiel  nicht  eine
Incompossibilität  solcher  Art  enthalte,  wie  etwa  die  Gleichzeitigkeit ­
  des  Redens  oder  Nichtredens  des  Sokrates;  er  gibt
also  auch  zu,  dass  man  den  Satz:  ,Ein  Körper  ist  actuell  in
alle  seine  Punkte  getheilt*  in  seiner  Allgemeinheit  als  möglich
zulassen  könne.  In  der  That  widerstreite  die  actuelle  Theilung
im  Punkte  A  nicht  der  actuellen  Theilung  im  Punkte  B  oder
C  u.  s.  w.  Es  wird  jedoch  übersehen,  dass  bei  keiner  dieser
Theilungeu  an  den  einzelnen  Punkten  bereits  alle  möglichen
Theilungen  schon  erschöpft  seien,  indem  eben  die  Puncte  keine
Continua  sind  und  darum  nicht  alle  Puncte  der  Theilungen
zugleich  genommen  werden  können;  denn  zwischen  jeden  zwei
Punkten  findet  sich  eine  Pars  quanta,  die  wieder  eine  Theilung
in  zwei  Hälften  zulässt.  Duns  Scotus 2  formulirt  die  Ansicht
Baco’s  als  jene,  welcher  zufolge  die  Theilung  in  potentia  et  in
fieri  statthabe,  jedoch  niemals  vollständig  in  facto  esse  statthaben ­
  könne;  es  wolle  nur  eine  Possibilitas  ad  dividi,  nicht
aber  ad  divisum  esse  zugestanden  werden.  Wenn  aber  die
Possibilitas  ad  dividi  in  Bezug  auf  alle  einzelnen  Punkte  zugestanden ­
  ist,  was  hindert,  sie  auch  als  wirklich  vollzogen  zu
denken?  Duns  Scotus  spricht  hiemit  etwas  aus,  was  im  Denken
1  Die  von  Duns  Scotus  wortgetreu  wiedergegebenen  und  bekämpften  Ausführungen ­
  Baco’s  finden  sich  in  des  Letzteren  Op.  tert.,  c.  39  (ed.
Brew’er  p.  133  f.).
2  Sentt.  II,  dist.  2,  qu.  9,  n.  22  ff.
            
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