Die Kosmologie und allgemeine Natnrlelire des Roger Baeo.
519
tlieilbaren Mobile aber versteht es sich von selbst, dass es
nicht ratione partium suarum, sondern nur ratione spatii in
einer getheilten Beziehung zu den genannten beiden Terminis
sicli befinden könne. Unter Berufung auf die Auctorität des
Aristoteles 1 wendet man ferner ein, dass die Bewegung eines
in einem indivisiblen Punkte locirten Engels die denkunmögliche
Annahme involviren würde, dass die Bewegungslinie desselben
aus lauter untheilbaren Punkten zusammengesetzt wäre. 2
Es handelt sich hier darum, dasjenige, was zum Behufe des
Motus continuus gehört, von demjenigen zu scheiden, was nicht
dazu gehört. Sicher befindet sich das untheilbare Bewegte in
jedem Momente der Bewegung in einem seiner geistigen IJnausgedelmtheit
entsprechenden indivisiblen Punkte, und somit
in einem Spatium sibi aequale. Damit verträgt sich jedoch
recht wohl dies Andere, dass er in jedem Momente der
Bewegungsdauer in einem anderen Theile des tlieilbaren empirischen
Raumes sich befinde. Das einen untheilbaren Punkt
als Raum Einnehmende durchschreitet ja im Beginne der Bewegung
nicht den Raum, welchen es selber einnimmt, weil
dieser zufolge seiner absoluten Unausgedehntheit überhaupt
kein Durchschrittenwerden zulässt, 3 daher das Argument nicht
zulässig ist, es werde hier dem von Aristoteles aufgestellten
denknothwendigen Satze widersprochen, dass das Bewegte zuerst
denselben Raum, oder einen geringeren Raum, als der
von ihm eingenommene Raum ist, zurücklegen müsse, ehe es
1 Pliysic. VI, p. 241a, lin. 8 ff.
2 Vgl. Baco Op. tert., c. 46: Praesens erit angelus cuilibet indiviaibi sieut
punctus Accidereut duo ineonvenientia, quod minimum spatiura
non transiret, quia infinita sunt puncta in quolibet, et quod quantitas sit
ex punctis.
3 Pertransiri potest accipi pro transitione indivisibilis vel divisibilis. Si
indivisibilis, falsa est propositio, si intelligatur, quod ante omne pertransire
majus universaliter pertranseat indivisibile aequale. Tune enira oporteret
concedere, quod esset dare primani rautationem in motu locali,
quod etiam nec ipsi perversores Aristotelis, non expositores, dicentes,
ipsum retractare quod dieit in 6 Pliysic., possuni rationabiliter dicere,
quod in 8 Pliysic. contradieit sibi ipsi. Non ergo oportet, quod omnem
transitionem suceessivam, quae est major ipso mobil!, praecedat pertransitio
indivisibis. L, c., n. 39.