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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 94. Band, (Jahrgang 1879)

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Werner.

die  höchste  Einfachheit,  die  ihn  zum  Innerlichsten  macht,  mit
der  Alles  continirenden  Unermesslichkeit;  an  der  ersteren  dieser
beiden  Eigenschaften  vermochten  die  Engel,  an  der  letzteren
die  Körperwelt  zu  participiren.  Die  vornehmste  und  höchste
aller  körperlichen  Continenzen  ist  das  Empyräum,  und  darum
der  den  Engeln  angemessene  Ort.  Bonaventura  dachte  wohl
nicht  daran,  dass  die  Idee  des  Empyräums  als  Ortes  der
seligen  Geister  eine  Umbeugung  der  räumlichen  Körperlichkeit
in  die  centrale  Innerlichkeit  der  Schöpfung  involvire,  und  an
die  Stelle  der  abstract  allgemeinen  Vorstellung  eines  obersten
und  äusseren  Weltkreises  die  concretisirte  Idee  einer  unermesslichen ­
  Fülle  lebendiger  Geister  als  activer  Raumfassungen
treten  müsse.  Diese  Idee  ist  nun  allerdings  mit  der  geocentrischen
  Weltansicht  des  Mittelalters  nicht  mehr  in  Einklang
zu  bringen,  und  darum  die  Abthuung  dieser  eine  der  Erhebung
über  die  Versenktheit  des  scholastisch-antiken  Denkens  in  die
objective  Wirklichkeit  parallel  gehende  Geistesthat.  Thomas
Aq.  1  behauptet  wohl  mit  Alexander  und  Bonaventura,  dass  der
Engel  als  geschaffenes  Wesen  definitive  in  loco  sei,  stellt  aber
entschieden  in  Abrede,  dass  er  vom  Raume  umschlossen  werde,
lässt  also  die  räumliche  Location  desselben  nur  in  äquivokem
Sinne  gelten,  da  er  nicht  ein  Wesen  von  dimensiver  Quantität,
seine  Quantität  vielmehr  eine  rein  virtuelle  sei;  daraus  folgt,
dass  der  Engel  zum  Raume,  wie  auch  die  Menschenseele  zum
Leibe,  sich  nicht  als  Contentum,  sondern  vielmehr  als  Continens
verhalte  —  ein  Gedanke,  der  bei  Thomas  freilich  nur  sehr
beziehungsweise  zur  Geltung  kommt,  aber  jedenfalls  von  denkwahrer ­
  Apperception  des  Sachverhaltes  zeugt.  Gleichwohl  wurde
die  thomistische  Ansicht  als  eine  solche,  welche  das  Wesen
des  Engels  ausserräumlich  fasse,  vom  Pariser  Bischöfe  Stephan
Tempier  censurirt  (1270),  und  Duns  Scotus 2  säumt  nicht,
dieselbe  unter  Berufung  auf  diese  Censur  einer  kritischen
Widerlegung  zu  unterziehen.  In  Wahrheit  hatte  indess  Thomas
nicht  die  Ausserräumlichkeit,  sondern  die  Ueberräumlichkeit
des  Wesens  des  Engels  gemeint,  so  dass  die  ihm  zur  Last
gelegte  schroffe  Trennung  zwischen  ausserräumlichem  Wesen

1  1  qu.  52,  art.  1.
2  Sentt.  II,  dist.  2,  qu.  6  (Op.  Oxon.).
            
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