Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 94. Band, (Jahrgang 1879)

Die  Kosmologie  und  allgemeine  Naturlehre  des  Roger  Baco.

505

vom  Dinge  im  Stoffe  des  Dinges.  Da  in  Gott  das  Denken  mit
dem  Sein  zusammenfällt,  muss  er  auch  in  seiner  eigensten
Wesenheit  als  die  Idealursache  oder  Causa  exemplaris  der
Dinge  angesehen  werden,  und  dies  um  so  mehr,  da  er,  wie
die  Wirkungsursache,  so  auch  die  Zweckursache  der  Dinge
ist;  dies  kann  aber  letztlich  doch  nur  so  viel  bedeuten,  dass
er  die  Dinge  absolut  nach  sich  bestimmt,  über  das  Wesen  der
Formen  oder  Formprineipien  der  Dinge  ist  hiemit  noch  gar
nichts  gesagt.  1  Nur  das  Eine  ist  in  voraus  gewiss,  dass,  wenn
Form  und  Formursache  identische  Ausdrücke  sind,  die  Causa
formalis  wesentlichst  zum  Dinge  selber  gehört  und  nicht  mit
Plato  ausserhalb  desselben  gesucht  werden  kann;  schon  darum
nicht,  weil  mit  der  Annahme  der  platonischen  Ideen  als  subsistenter
  geistiger  Realitäten  der  Rangunterschied  der  Formen
aufgehoben  wäre. 2  Baco’s  Auffassung  der  Wesensformen  deckt
sich  aber  auch  nicht  mit  jener  des  Aristoteles,  und  zwar  aus
dem  Grunde  nicht,  weil,  so  wenig  dies  auch  Baco  zugeben
mag,  seine  Auffassung  der  Materie  eine  andere  als  jene  des
Aristoteles  ist.  Baco  substituirt  dem  realistischen  Kosmismus
des  Aristoteles  einen  physikalischen  Realismus,  -womit  auch
schon  gesagt  ist,  dass  für  Baco  die  Stofflichkeit  der  irdischen
Körper  eine  grössere,  die  Formbestimmtheit  derselben  aber
eine  geringere  Bedeutung  hat,  als  dies  bei  Aristoteles  der  Fall
ist.  Baco  sagt  ausdrücklich,  dass  die  Kraftäusserung  einer
subsistenten  Wesenheit  nicht  einseitig  aus  der  Form  dieser
Wesenheit  abzuleiten  sei,  sondern  die  Substanz  als  ein  Compositum ­
  aus  Form  und  Materie  wirke. 3  Wenn  ferner  Baco  so
entschieden  die  Hervorbringung  des  Singulare  als  die  Intention

1  Non  est  causa  prima  formale  principium  de  quo  loquitur  Aristoteles  in
primo  Physicorum,  ad  quod  materia  est  in  potentia  et  privatio.  Est
tarnen  causa  prima  principium  formale,  exemplar  et  ideale,  sumendo
veraciter  et  proprie  ideam;  nam  ejus  essentia  est  exemplar  et  idea  omnium
secundum  sanctos  et  philosophos  recte  sentientes.  Et  hoc  modo  sumendo
principium  formale,  idem  est  cum  primo  efficiente  et  cum  ultimo  fine.
Commun.  Nat.  I,  pars  2,  dist.  2,  c.  3.
2  Non  posset  poni  aliqua  prima  inter  ceteras,  quum  omnia  esent  tanquam
individua  ejusdem  speciei.  1.  c.
3  Species  agentis  substantiae  est  composita  et  non  solius  formae,  ut  aestimatur.
  Op.  tert.,  c.  31.
SitzuDgaber,  d,  phil.-hist.  CI.  XCIV.  Ed.  II.  Hft.  33
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.