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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 94. Band, (Jahrgang 1879)

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W  e  r  n  e  r.

Bekämpfung  der  Lehren  Amalrichs  von  Bena  und  Davids  von
Dinanto  fällt,  deren  ersterer  Gott  als  das  Materialprincip,
letzterer  als  das  Formprincip  aller  Dinge  erklärt  hatte.  Da
nun  die  Verurtheilung  dieser  Irrthümer  (a.  1209)  von  einem
Verbote  der  aristotelischen  Schriften  über  Physik  und  Metaphysik ­
  begleitet  war  (a.  1215),  so  wollte  Baco  augenscheinlich
zeigen,  wie  die  richtig  verstandene  aristotelische  Lehre  jene
beiden  Grundirrthümer  ausschliesse,  und  wie  die  Bücher  des
Aristoteles  über  Metaphysik  und  Physik  nach  Ausschluss  jener
Irrthümer  auszulegen  und  für  die  Zwecke  ächtchristlicher
Erkenntniss  zu  verwerthen  seien.  Die  seither  durch  die
Dominicanerschule  zur  Geltung  gelangende  Auffassungsweise
der  aristotelischen  Lehren  hatte  durchaus  nicht  seine  Zustimmung, ­
  auch  in  seiner  eigenen  Ordensgesellschaft  vermisste
er  das  richtige  Verständniss  derselben;  er  war  mit  der  gesummten ­
  Entwickelung,  welche  der  Betrieb  der  Philosophie
und  Theologie  an  der  Pariser  Hochschule  seit  Wiederaufnahme
der  aristotelischen  Studien  unter  dem  leitenden  Einflüsse  der
Lehrer  aus  den  beiden  Mendicantenorden  genommen  hatte,
durchaus  unzufrieden,  1  und  wollte  unter  Anknüpfung  an  die
Traditionen  der  Oxforder  Schule  und  Zurückdrängung  der
unrichtigen  Auslegungen  der  Weltlehre  des  Aristoteles  den
Faden  der  richtigen  und  normalen  Entwickelung  an  dem  Punkte
aufnehmen,  an  welchem  das  christliche  Abendland  durch  das
Bekanntwerden  mit  der  Weltlehre  des  Aristoteles  angelangt
war.  Ausschluss  des  Naturalismus  und  Pantheismus  gelten  ihm
als  die  durch  die  Verurtheilung  Amalrichs  und  Davids  kirchlich ­
  festgesetzten  Normen  für  die  richtige  Interpretation  der
Weltlehre  des  Aristotelismus  ;  der  Pantheismus  Davids  bestand
aber  darin,  dass  er  Gott  zum  unmittelbaren  Formalpriucipe
aller  Dinge  machte,  während  Gott  als  absolute  Wirkungsursache ­
  aller  Dinge  doch  schlechthin  über  allen  steht,  und  in
keinerlei  Weise  mit  denselben  vermengt  werden  kann.  Gott
kann  nicht  als  Formursache  der  Dinge,  wohl  aber  muss  er  als
die  Grundursache  der  Formirung  derselben  gedacht  werden,
die  Dinge  müssen  sein,  als  was  Gott  sie  denkt;  die  Form  ist
nichts  Anderes,  als  der  Ausdruck  des  göttlichen  Gedankens

Vgl.  Psychologie  etc.  des  Roger  Baco.  Sitzungsber.  XCI1T,  S.  499  ff.
            
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