504
W e r n e r.
Bekämpfung der Lehren Amalrichs von Bena und Davids von
Dinanto fällt, deren ersterer Gott als das Materialprincip,
letzterer als das Formprincip aller Dinge erklärt hatte. Da
nun die Verurtheilung dieser Irrthümer (a. 1209) von einem
Verbote der aristotelischen Schriften über Physik und Metaphysik
begleitet war (a. 1215), so wollte Baco augenscheinlich
zeigen, wie die richtig verstandene aristotelische Lehre jene
beiden Grundirrthümer ausschliesse, und wie die Bücher des
Aristoteles über Metaphysik und Physik nach Ausschluss jener
Irrthümer auszulegen und für die Zwecke ächtchristlicher
Erkenntniss zu verwerthen seien. Die seither durch die
Dominicanerschule zur Geltung gelangende Auffassungsweise
der aristotelischen Lehren hatte durchaus nicht seine Zustimmung,
auch in seiner eigenen Ordensgesellschaft vermisste
er das richtige Verständniss derselben; er war mit der gesummten
Entwickelung, welche der Betrieb der Philosophie
und Theologie an der Pariser Hochschule seit Wiederaufnahme
der aristotelischen Studien unter dem leitenden Einflüsse der
Lehrer aus den beiden Mendicantenorden genommen hatte,
durchaus unzufrieden, 1 und wollte unter Anknüpfung an die
Traditionen der Oxforder Schule und Zurückdrängung der
unrichtigen Auslegungen der Weltlehre des Aristoteles den
Faden der richtigen und normalen Entwickelung an dem Punkte
aufnehmen, an welchem das christliche Abendland durch das
Bekanntwerden mit der Weltlehre des Aristoteles angelangt
war. Ausschluss des Naturalismus und Pantheismus gelten ihm
als die durch die Verurtheilung Amalrichs und Davids kirchlich
festgesetzten Normen für die richtige Interpretation der
Weltlehre des Aristotelismus ; der Pantheismus Davids bestand
aber darin, dass er Gott zum unmittelbaren Formalpriucipe
aller Dinge machte, während Gott als absolute Wirkungsursache
aller Dinge doch schlechthin über allen steht, und in
keinerlei Weise mit denselben vermengt werden kann. Gott
kann nicht als Formursache der Dinge, wohl aber muss er als
die Grundursache der Formirung derselben gedacht werden,
die Dinge müssen sein, als was Gott sie denkt; die Form ist
nichts Anderes, als der Ausdruck des göttlichen Gedankens
Vgl. Psychologie etc. des Roger Baco. Sitzungsber. XCI1T, S. 499 ff.