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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 94. Band, (Jahrgang 1879)

Die  Kosmologie  und  allgemeine  Naturlehre  des  Roger  Baco.

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erklärbar,  weil  sie  eben  nur  dynamische,  nicht  aber  formgebende ­
  Einflüsse  sind.  Baco  weist  auf  die  göttliche  Wirkungsursache ­
  als  Causa  exemplaris  der  geschöpflichen  Dinge  hin;
aber  er  zeigt  uns  nicht,  wie  die  urbildlicho  göttliche  Wesenheit ­
  im  irdischen  Stoffe  sich  abbilden  könne,  seine  Aeusserungen
  und  Gedankenentwickelungen  zielen  vielmehr  sämmtlich
darauf  ab,  ersichtlich  zu  machen,  dass  die  göttliche  Wesenheit
sich  im  Stoffe  nicht  wahrhaft  abg’o  st  alten  könne,  am  allerwenigsten ­
  im  irdischen  Stoffe,  von  dessen  Besonderungen  keine
einzige  ihre  Form  bleibend  festzuhalten  vermag.  1
Die  auffällige  Zurückdrängung  des  speculativen  Formbegriffes ­
  bei  Baco  steht  in  einem  unverkennbaren  Zusammenhänge ­
  mit  seinem  philosophischen  Individualismus,  der  aber
nicht  so  weit  durchgebildet  ist,  dass  Baco  den  peripatetischen
Begriff  der  Form  schlechthin  abzuwerfen  wagte.  Er  extenuirt
ihn  vielmehr  nur  in  so  weit,  dass  ihm  vor  jenem  des  Materialprincipes
  nur  in  logischer  Beziehung  der  Vorzug  umfassenderer
Allgemeinheit  bleibt,  während  in  der  coucreten  Wirklichkeit
Stoff  und  Form  in  Bezug  auf  ihren  Umfang  sich  völlig  decken,
so  dass  es  eben  so  viele  Materien  als  Formen  gibt,  und  die
Zahl  beider  der  Zahl  der  im  Zusammensein  beider  bestehenden
Substanzen  gleichkommt.  Darum  gilt  ihm  der  Irrthum,  dass
es  nur  Eine  Fonn  der  Dinge  geben  könne,  für  eben  so  gross
und  verabscheuungswürdig,  wie  jener,  dass  es  nur  Eine  Materie
aller  Dinge  gebe;  ja  es  hat  den  Anschein,  als  ob  Baco  beabsichtiget ­
  hätte,  seine  Weltlehre  mit  vorzugsweiser  Rücksicht
auf  jene  beiden  Grundirrthümer  zu  entwickeln,  und  als  die
durch  den  Ausschluss  derselben  von  selbst  sich  ergebende
normale  und  kirchlich  correcte  Anschauung  von  den  Weltdingen ­
  darzustellen.  Damit  versetzt  uns  Baco  in  die  geistigen
Zustände  der  ersten  Jahrzehnte  seines  Jahrhunderts  zurück,
in  welche  die  kirchliche  Verurtheilung  und  nachfolgende  eifrige
1  Forma  (rerum  naturalium)  non  potest  esse  nisi  causa  prima,  quae  est
principium  formale  et  principium  efficiens  et  ultimus  finis  rerum  omnium
tarn  naturalium  quam  non  naturalium;  nec  tarnen  est  sub  hac  forma
materiae  naturalis  perfcctiva,  nec  pars  naturalium,  nec  eas  aliquo  modo
informans.  Sed  est  forma  exemplaris,  dirigcns  naturam  in  sua  operatione,
quia  essentia  divina  idealis  omnis  naturae  non  solum  est  exemplar  omnium,
sed  artifex.  L.  c.
            
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