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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 94. Band, (Jahrgang 1879)

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Werner.

dafür  nehmen  will.  Dass  dieser  göttliche  Denkwille  als  eine
in  den  Stoff  projicirte  lebendige  Gestaltungsmacht,  als  lebendige
Naturidee  thätig  sein  könne,  ist  ein  nicht  bloss  Baco,  sondern
seinem  gesammten  Zeitalter  fremder  Gedanke,  der  so  lange
nicht  gedacht  werden  konnte,  als  die  Natur  selbst  nicht
als  lebendige  gedacht  wurde;  dies  letztere  war  aber  nicht
möglich  so  lange  das  Denken  an  dem  unvermittelten  Gegensätze ­
  zwischen  Stoff  und  Form  als  letztem  höchstem  Grundgegensatze
  im  Seienden  haftete.
Baco  scheint  allerdings  diesen  Gegensatz  überwinden  und
eine  Verlebendigung  des  Naturbegriffes  anstreben  zu  wollen,
■wenn  er  sagt,  dass  durch  die  Ausdrücke  Essentia,  Substantia,
Natura,  Potentia,  Potestas,  Vis,  Virtus  der  Sache  nach  dasselbe ­
  bezeichnet  werde.  1  Allein  abgesehen  davon,  dass  es
sich  hiebei  nur  um  Einzelsubstanzen  und  Einzelpotenzen,
nicht  um  die  Natur  als  Ganzes  handelt,  bedeutet  Potentia  für
die  irdische  Stofflichkeit  nicht  etwa  das  aus  der  Wesensform
  der  Substanz  resultirende  Kraft-  und  Wirkungsvermögen,
sondern  vielmehr  das  Begehren  derselben  nach  ihrer  complirenden
  Form;  sie  ist  ihm  mit  der  aristotelischen  2>cspY)!uq 2
identisch,  und  demzufolge  eine  rein  passive  Vermöglichkeit,
welche  nichts  anderes  als  die  Bestimmbarkeit  der  irdischen
Stofflichkeit  durch  die  siderischen  Potenzen  ausdrückt,  und
durch  die  denknothwendige  Alterabilität  derselben  involvirt
ist.  Die  himmlischen  Körper  sind  inalterabel,  weil  in  ihnen
der  Appetitus  materiae  durch  die  Form  vollkommen  befriediget
ist;  sie  können  keine  andere  Form  begehren  als  jene,  die
ihnen  vom  Anfang  her  eigen  ist.  Die  irdische  Stofflichkeit
aber  ist  durch  die  ihr  von  Natur  aus  eignende  Form  nicht
befriediget,  sondern  begehrt  nach  Formen,  die  ihr  nicht  von
Natur  aus  eignen,  und  von  ihr  auch  nicht  bleibend  festgehalten

1  Comnran.  Natur.  I,  pars  2,  dist.  2,  c.  4.  —  Vgl.  den  Eingang  des  Tractates
  de  multiplicatione  specierum  im  Op.  maj.  p.  270:  Essentia,  substantia, ­
  natura,  potestas,  potentia  etc.  significant  eandem  rem,  sed
differunt  ratione.
2  Vgl.  Aristot.  Physic.  I,  p.  191  b,  lin.  13  ff.:  tpxpsv  ylyvsoOai  u.tv  ouoev
ajAco;  Ix  a7)  ovxo:,  ouxo;  U-Ivio:  ylyvEoO«’.  EX  (J.f)  ovro;  oiov  xaiä  cjup.ßsßrjxds
  •  ex  y*p  x%  <jTEp7j3E(o;,  o  lax’.  xxO’  atixo  p.rj  ö'v,  oux  Ivj-xp'/ov-o;
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