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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 94. Band, (Jahrgang 1879)

Din  Kosmologie  und  allgemeine  Nai  uriehre  des  Roger  Baco.

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Fall  ist.  Der  Formgedanke  hat  ihm  zunächst  wenigstens  für
die  irdischen  Dinge  nicht  mehr  so  sehr  eine  ontologisch-metaphysische, ­
  als  vielmehr  eine  logische  Bedeutung;  die  Form  ist
nicht  ein  reales  Gestaltungsprincip  der  Dinge,  sondern  vielmehr ­
  dasjenige,  wodurch  uns  der  Art-  und  Wesensunterschied
der  Dinge  kenntlich  wird;  die  sogenannte  Materia  prima  der
irdischen  Welt  ist  ihm  nicht  eine  blosse  Potenzialität  ohne
Wirklichkeit,  sondern  die  bereits  gestaltete  Körperlichkeit  als
solche,  die  er  sich  überdies  in  der  primären  Distinction  von
elementarer  und  gemischter  Körperlichkeit  als  den  zwei  denknothwendigen
  Grundspecificationen  der  irdischen  Körperlichkeit ­
  unmittelbar  gegeben  denkt.  Da  es  kein  gestaltgebendes
Formprincip  gibt,  so  müssen  wir  uns  diese  primäre  Grundspecitication
  der  irdischen  Körperlichkeit  unmittelbar  durch  die
göttliche  Machtwirksamkeit  vollzogen  denken,  und  in  gleicher
Weise  auch  die  gesammte  weiter  folgende  Gestaltung  der
irdischen  Stofflichkeit  bis  zum  Menschen  hinan  erklären.  Die
causalen  Einflüsse  des  Himmels  werden  nur  auf  die  bereits
gestalteten  und  geformten  Sonderdinge  der  irdischen  Welt,
auf  die  Generationen  und  Alterationen  in  der  bereits  fertig
vorhandenen  irdischen  Daseinssphäre  bezogen  werden  können.
Damit  vollzieht  sich  die  Abscheidung  der  Weltlehre  Bacos
von  der  aristotelischen  im  Sinne  des  christlichen  Creationsgedankens, ­
  der  freilich  in  geistig  höchst  verengter  Bedeutung
verstanden  wird,  wenn  Gott,  wie  man  nach  Baco  fast  unabweislich
  anzunehmen  hat,  zum  unmittelbaren  Macher  der  Prototypen ­
  aller  irdischen  Sonderdinge  gemacht  wird.  Er  sieht  sich
zu  dieser  Annahme  durch  seinen  Antiplatonismus  hingedrängt;
ein  reales  Formprincip  der  Dinge  ausser  Gott  annehmen,  hiesse
sich  zu  der  von  Aristoteles  widerlegten  platonischen  Ideenlehre ­
  bekennen.  Gott  selber  aber  zum.  unmittelbaren  Formprincip ­
  der  Sinnendinge  machen,  wäre  eine  noch  grössere
Denkverirrung;  Gott  kann  nicht  in  eine  Zusammensetzung  mit
den  corruptiblen  Dingen  in  solcher  Art  eingehen,  dass  er  einen
Theil  derselben  constituirte.  1  Also  gibt  es  überhaupt  keine
von  dem  Körperdinge  als  solchem  sachlich  verschiedene  Formursache, ­
  wofern  man  nicht  eben  den  göttlichen  Denkwillen
1  Commun.  Natur.  I,  pars  2,  dist.  2,  c.  3.
            
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