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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 94. Band, (Jahrgang 1879)

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Werner.

scheidet  Aristoteles  —  bemerkt  Baco  —  in  der  angeführten
Stelle  die  Materie  nicht  von  den  Prädicabilien,  sondern  von
den  Prädicamentalformen:  Forma  substantialis,  Quantitas,  Qualitas
  u.  s.  f.;  es  hat  also  einer  von  jenen  Uebersetzungsfehlern,
an  welchen  die  betreffende  Stelle  leidet, 1  an  der  verkehrten
Ausdeutung  und  Anwendung  derselben  Schuld.  Nicht  minder
unrichtig  wird  eine  andere  Stelle  gelesen  und  gedeutet,  in
welcher  Aristoteles  sagen  soll,  dass  einzig  der  Actus,  welchen
man  mit  Forma  identisch  nimmt,  Grund  der  Theilung  sei. 2
Aristoteles  sagt  jedoch  nicht:  Solus  actus  dividit;  das  Wort
Solus  ist  durch  den  Uebersetzer  in  den  Text  hineingetragen. 3
Weiter  ist  es  auch  nicht  richtig,  dass  am  betreffenden  Orte
Actus  die  Forma  bedeute;  es  ist  vielmehr  daselbst  mit  Actualitas
  gleichbedeutend.  1  Aristoteles  will  nämlich  darlegen,  dass
aus  zwei  Dingen,  welche  Actu  sind,  kein  wahrhaftes  Unum
werden  könne,  ebensowenig  als  aus  zweien,  deren  eines  in
potentia,  das  andere  aber  in  actu  ist.  Baco  wiedergibt  hier

1  Baco  hat,  wie  in  voriger  Anmerkung  aufgewiesen  wurde,  nur  einen  Uebersetzungsfeliler,
  aber  nicht  den  zweiten  erkannt,  dessen  Berichtigung  ihn
belehrt  haben  würde,  dass  die  citirte  Stelle  überhaupt  nicht  zur  Sache
gehöre.  Albert  (Metaph.  VII,  tr.  1,  c.  3)  und  Thomas  Aq.  (Comm.  in
Metaph.  Arist.  lib.  VII,  lect.  1)  kannten  den  richtigen  Wortlaut  der
Stelle,  nur  dass  in  derselben  die  Worte  aal  oiasi  (siehe  vor.  Anm.)  nicht
übersetzt  erscheinen.
2  Hiemit  ist  Aristot.  Metaph.  V,  p.  1039  a,  lin.  7  gemeint:  q  yip  IvteX^eux
ev  aXXot5  -/tüpiifei.
3  Auch  hier  ist  wieder  zu  constatiren,  dass  sowohl  Albert  (Metaph.  VII,
tr.  5,  c.  2)  als  auch  Thomas  (Comm.  in  Arist.  Metaph.  VII,  lect.  13)
den  richtigen,  von  der  durch  Baco  gerügten  Einschaltung  eines  ungehörigen ­
  Wortes  gereinigten  Text  vor  sich  hatten.
4  Nam  actus  triplieiter  accipitur:  Uno  modo  pro  forma,  secundum  quod
Aristoteles  dicit  2  Anim.,  quod  anima  est  actus  corporis  i.  e.  forma.
Actus  aliter  sumitur  pro  operatione,  ab  hoc  verbo  ,agere‘  dictus,  et  sic
vocatur  ab  Aristotele  ibidem  actus  secundus.  Nam  forma  est  actus  primus,
et  ab  ea  fit  operatio,  quae  est  actus  secundus,  unde  dicit,  quod  anima
non  est  actus  secundus,  sed  primus.  Tertio  modo  opponitur  potentiae,
secundum  quod  dicit  saepe,  quod  actus  et  potentia  sunt  opposita.  Et  sic
accipitur  pro  actualitate,  secundum  quod  dicimus  rem  esse  in  actu  i.  e.
in  actualitate  existendi,  secundum  quod  dicimus,  quod  filius  natus  est
in  actu,  et  filius  est  in  potentia.  Sed  hoc  tertio  modo  loquitur  Aristoteles
ibi  in  VII  Metaph.,  cum  dicit:  Actus  dividit.  Op.  tert.,  c.  38.
            
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