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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 94. Band, (Jahrgang 1879)

220

Schonbach.

s.  z.
—  16  erbietunge,  bei  Lexer  als  ,Anerbieten 4  aus  dem  Wiener  Copeybuch
1454—1464  und  in  den  Nachträgen  Sp.  153,  hier  ,Erweisung,  Leistung 4 .
—  19  nun  =  niwan  vgl.  199,  8;  200,  13:
—  20  er  ist  ocli  vater  aller  toter  creatur,  Zs.  XVIII  72,  17.
—  21  ohne  Relativpronomen,  vgl.  198,  3.
—  22  in  den  himelischen  leuten  vgl.  193,  31  ff.
—  28  erdefruht,  nur  einmal  als  Compositum  aus  Megenberg  belegt;  vgl.
von  erden  frulit  Adäm  genas  Parz.  464,  12.
—  30  er,  ich  habe  absichtlich  das  interpunctierte  Wort  in  den  Text  aufgenommen, ­
  um  das  Zusammenfliessen  zweier  Constructionen  hier
deutlich  erscheinen  zu  lassen.
—  33  Scherer  hat  bereits  MSD 2 ,  S.  452  ff.  nachgewiesen,  dass  der  Gedanke,
die  sieben  Bitten  des  Vaterunser  als  Heilmittel  gegen  die  sieben
Ilauptsünden  zu  verwenden,  zunächst  auf  Hugo  von  Sanct  Victor
zurückverfolgt  werden  kann.  Im  Opusculum  de  quinque  septenis  seu
septenariis  hat  Hugo  diese  beiden  Siebenzahlen  noch  mit  denen  der
Gaben  des  heiligen  Geistes,  der  Tugenden  und  der  himmlischen  Seligkeiten ­
  combiniert.  Ob  dieses  Werkchen  Quelle  für  unser  Stück  war,
(f.  26 a  der  Handschrift  wird  Hugo  als  Gewährsmann  für  die  Erzählung
eines  Wunders  citiert)  ist  mir  dessbalb  zweifelhaft,  weil  Hugo  auch
im  zweiten  Buch  der  Allegorien  zum  Evangelium  Matthaei  zwei  Auslegungen ­
  des  Paternoster  bringt,  deren  zweite  (Mainzer  Ausgabe  von
1617,  I  213  ff.)  die  Ueberschrift-  trägt:  De  septem  peccatis  mortalibus
contra  quae  valent  orationis  Dominicae  petitiones.  Diese  scheint  bei
der  vorliegenden  Rede  benutzt  worden  zu  sein.  Die  Sünde  als  Wunde
zu  betrachten  (Heinzei  vergleicht  noch:  Trost  in  Verzweiflung  und
die  einleitenden  Verse  von  Hartmanns  Gregor),  wurde  darin  durch
folgende  Stelle  der  Einleitung  nahegelegt:  Haec  ergo  sunt  vitia  septem.■
de  quibns  universa  rationalis  animae  corruptio  manat.  Omne  enim,  quod
Integritäten  corrumpit,  vitium  est.  Sed  est  alia  integritas  corporeae
naturae,  alia  naturae  incorporeae.  —  JRursum  corporea  natura:
quaedam  statum  habet,  sensum  non  habet:  quaedam  vero  sensum  habet  et
statum.  In  illa  ergo,  quae  sensu  caret,  corruptio  accedens  violat  unitatem:
  ad  illam  autem,  quae  sensum  habet,  corruptio  ingrediens  laedit
sanitatem.  Die  vierte  Sünde  heisst  in  dieser  Arbeit  Hugos  wie  in
unserm  Text:  accidia,  im  Opusculum  de  septem  septenis  aber:  tristitia.
Weiter  scheint  die  Entlehnung  nicht  zu  gehen,  in  der  Ausführung  des
Gedankens  ist  der  deutsche  Autor  wol  selbständig.  —  Eine  vierte  Auslegung ­
  des  Vaterunser  findet  sich  in  dem  Hugo  zugeschriebenen  Werke:
De  officiis,  ceremoniis  et  observationibus  ecclesiasticis,  welches  Liebner
(Hugo  von  St.  Victor  S.  509)  für  unächt  erklärt  hat,  im  39.  Capitel  des
zweiten  Buches,  Opp.  III  276  f.  Zu  Scherers  Erörterung  merke  ich  an,
dass  die  Combination  der  Siebenzahlen  mit  den  Erzvätern  schon  bei
Beda  III  492  ff.  495.  (der  Cölner  Ausgabe  von  1688)  sich  findet.  —
Keiles  Speculum  Ecclesiae  hat  S.  178  ff.  zwei  Auslegungen  des  Vaterunser, ­
  welche  den  Hauptgedanken  wol  auch  von  Hugo  übernommen
            
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