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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 94. Band, (Jahrgang 1879)

142

Zimm  er  manu.

keineswegs  jedem  ,Sterblichen'  unbekannt  gewesen!  (Tafel
a.  a.  O.  S.  141.)
Die  Vertkeidiger  Swedenborg’s  hatten  dem  Gerückt,  dieser
sei  durck  der  Königin  feindlich  gesinnte  Staatsmänner  in  den
Besitz  eines  Staatsgeheimnisses  gesetzt  worden,  um  dieselbe  im
Namen  ihres  verstorbenen  Bruders  von  der  Fortsetzung  ihrer
Einmischung  in  die  Regierungsgeschäfte  abzuhalten,  nur  die
Berufung  auf  dessen  streng  redlichen  und  wahrhaften  Charakter
entgegenzusetzen.  Insofern  letztere  die  Versicherung  enthält,
derselbe  sei  eines  bewussten,  absichtlichen  Betruges  unfähig
gewesen,  stimmt  sie  nicht  nur  mit  demjenigen  Eindruck,  den
Kant  von  Swedenborg  durch  seinen  englischen  vertrauten
Berichterstatter  empfing,  sondern  was  wichtiger  ist,  auch  mit
der  Meinung  überein,  welche  Kant,  nachdem  er  dessen  Geistergesichte ­
  als  Selbsttäuschungen  erkannt  hat,  von  demselben
behielt.  Keineswegs  aber  ist  durch  dieselbe  die  Möglichkeit
ausgeschlossen,  dass  Swedenborg,  um  durch  ihn  auf  das  Gemüth
der  Königin  zu  wirken,  von  Anderen  getäuscht  worden  sei
oder  sich  selbst  habe  täuschen  lassen.
Anders  liegt  die  Sache,  wo  es  sich,  wie  in  den  Schriften
Swedenborg’s,  um  Geistergesichte  handelt,  über  die  er  selber
berichtet.  Wo  sich  die  Anzahl  der  Ueberlieferer  auf  einen
einzigen  Zeugen  reducirt,  scheint  der  Inhalt  der  Ueberlieferung
über  die  Form  siegen  zu  müssen.  Auch  bei  dieser  ist  gleichwohl ­
  das  Gegentheil  der  Fall.
Swedenborg’s  Schriften  haben  auf  Kant  den  übelsten
Eindruck  hervorgebracht.  In  ihrer  Lectüre  allein  ist  der  Grund
der  Sinnesänderung  zu  suchen,  welche  Tafel  u.  A.  bei  Kant
gegen  den  Ersten  beobachtet  haben.  Zu  dieser  trug  nicht  sowohl ­
  die  Auslegungsweise  bei,  durch  welche  dieser  seine  Erscheinungen ­
  auf  die  Entdeckung  des  geheimen  Sinnes  in  den
zwei  ersten  Büchern  Mosis  und  eine  ähnliche  Erklärungsart
der  ganzen  heiligen  Schrift  anwendet,  und  die  Kant  kurzweg
,schwärmend'  nennt.  Auf  die  Beurtheilung  dieser  lässt  er  sich
nicht  ein;  seine  Aufmerksamkeit  ist  hier,  wie  bei  obigen
Geistererzählungen,  auf  die  ,Gesichte'  gerichtet,  die  Swedenborg ­
  als  seine  ,Erfahrungen'  bezeichnet.  Aus  den  acht  Quartbänden ­
  ,voll  Unsinn',  welche  Swedenborg  der  Welt  als  eine
,neue  Offenbarung'  vorlege,  will  Kant  nur  dasjenige  ausheben,
            
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