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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 94. Band, (Jahrgang 1879)

Kant  und  der  Spiritismus.

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Nichtsein  aus  reiner  Vernunft  entscheidenden)  Standpunkt  ein.
Vielmehr  ist  der  seinige  einerseits  der  empirische  (aus  a  posterioschen
  Gründen  inducirende),  andererseits  der  empiristische  (über
Sein  oder  Nichtsein  aus  reiner  Erfahrung  entscheidende)  Gesichtspunkt. ­
  Folge  des  ersten  ist,  dass  er  an  Geistererscheinungen
glaubt,  wenn  er  dergleichen  (selbst  oder  an  Anderen)  erfahren,
nicht  glaubt,  wenn  er  dergleichen  nicht  erfahren  hat;  Folge
des  letzten  ist,  dass  er  an  dieselben,  falls  er  sie  -wirklich  erfahren ­
  hat,  auch  dann  glauben  würde,  wenn  die  reine  Vernunft
deren  Unmöglichkeit  behauptete.
Swedenborg’s  Geistergesichte  haben  für  Kant  nur  Bedeutung, ­
  wenn  und  sofern  sie  wirklich  Erfahrung  sind.  Weil
aber,  um  eine  Wahrnehmung  als  Erfahrung  gelten  zu  lassen,
gewisse  Bedingungen,  sei  es  von  Seite  des  Wahrnehmenden,
sei  es  von  jener  des  Wahrgenommenen  erfüllt  sein  müssen,  so
stellt  Kant  mit  jeder  der  Geisterwahrnehmungen  Swedenborg’s
gleichsam  ein  gerichtliches  Processverfahren  an,  durch  welches
der  Chax-akter  dex-selben  als  Erfahrung  entweder  bestätigt  oder
beseitigt  werden  soll.
Dasselbe  fällt  nothwendig  anders  aus,  je  nachdem  Kant,
wie  in  dem  Bi'iefe,  Ueberlieferungen  durch  Andei’e,  oder  wie
in  den  ,Träumen',  Swedenbox-g’s  eigene  vor  Augen  hat.  Bei
jenen  handelt  es  sich  vor  allem  darum,  ob  Swedenborg’s  Gesichte ­
  richtig  überliefert,  bei  diesen  dagegen,  ob  dessen  Gesichte
selbst  richtig  sind.  Zeigt  sich  die  Form  der  Ueberlieferung
mangelhaft,  so  verliert  das  Ueberlieferte,  erweist  sich  dieses
als  ungereimt,  der  Ueberlieferer  an  Glauben.
Was  Kant  seiner  eigenen  Erzählung  nach  ,stutzig'  machte
bei  der  ersten  Nachricht,  die  er  von  Swedenboi-g’s  angeblicher
Sehergabe  erhielt,  war  die  glaubwürdige'  Form  ihrer  Ueberlieferung. ­
  Für  den  echt  preussischen  Respect,  den  der  Philosoph ­
  bei  dieser  wie  bei  anderen  ähnlichen  Gelegenheiten  für
die  bestehenden  öffentlichen  Gewalten  an  den  Tag  legt,  ist  es
bezeichnend,  dass  ihm  eine  sonst  unwahrscheinliche  Nachricht
darum  besondei’s  glaubwürdig  scheint,  weil  sie  von  einem
Diplomaten  einem  anderen  überliefert  wird.  ,Schwei-lich'  könne
man  annehmen,  heisst  es  am  angeführten  Orte,  dass  ein  Gesandter
an  einen  anderen  Gesandten  eine  Nachricht  zum  öffentlichen
            
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