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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 94. Band, (Jahrgang 1879)

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Zimmermann.

als  er  mehrere  Jahre  nachher  und  (wie  er  an  Mendelsohn
schreibt:  S.  Kirchm.  a.  a.  0.  S.  385)  ,im  Unwillen'  die  ,Träume
eines  Geistersehers'  niederschrieb,  das  Jahr,  in  welchem  er
durch  seinen  englischen  Freund,  gleichsam  aus  Swedenborg’s
eigenem  Mund,  die  authentische  Bestätigung  des  Ereignisses
empfing,  mit  dem  Jahr,  in  welchem  dieses  selbst  stattgehabt
habe,  zu  verwechseln?
Dem  sei  wie  ihm  wolle.  Jedenfalls  ist  Kant’s  Brief  vor
der  Abfassung  der  ,Träume'  und  zu  einer  Zeit  geschrieben,
da  dieser  Swedenborg’s  Lehre  und  Schriften  nur  vom  Hörensagen ­
  kannte.  Derselbe  ist  ein  Beweis,  dass  Kant,  wie  es
nach  seiner  damaligen  Denkweise  zu  erwarten  war,  Mittheilungen ­
  aus  der  Geisterwelt  zwar  mit  berechtigtem  Misstrauen, ­
  keineswegs  aber,  wie  die  ,Aufklärer'  unter  seinen  Zeitund
  Berufsgenossen,  mit  schroffer  Ablehnung  entgegenkam.
Wenn  er  sich  ,Geschichten  von  Erscheinungen  und  Handlungen
aus  der  Geisterwelt'  gegenüber  ,der  Regel  der  gesunden  Vernunft ­
  gemäss'  auf  die  ,verneinende'  Seite  stellt,  so  geschieht
es  nicht,  weil  er  ,vermeint,  die  Unmöglichkeit  davon  eingesehen
zu  haben  (denn  wie  wenig  ist  uns  doch  von  der  Natur  eines
Geistes  bekannt?)',  sondern  ,weil  sie  insgesammt  nicht  genugsam ­
  bewiesen  sind'.  Kant  glaubt  nicht  an  die  Existenz  eines
pneumatischen  Geisterreiches  in  der  Weise,  dass  dieselbe  für
ihn  keiner  Bestätigung  durch  unbezweifelbare  Erfahrungen  bedürfte ­
  ;  aber  er  glaubt  eben  so  wenig  an  deren  Nichtexistenz
in  der  Weise,  dass  er  selbst  durch  unzweifelhafte  Erscheinungen
nicht  von  der  Wirklichkeit  desselben  sich  überführen  Hesse.
Weder  sein  Glaube  noch  sein  Unglaube  ist  objectiv,  d.  i.  der
eine  auf  die  Einsicht  in  die  Nothwendigkeit,  der  andere  auf
solche  in  die  Unmöglichkeit  aus  Vernunftgründen  gestützt;
der  Unglaube,  den  er  wirklich  hat,  sein  Glaube,  wenn  er
solchen  hätte,  ist  oder  wäre  lediglich  subjectiv,  jener  auf
Einsicht  in  deren  Nichtwirklichkeit,  dieser  auf  solche  in  deren
Wirklichkeit  aus  Erfahrungsgründen  gebaut.  Kant  nimmt
in  der  Frage  der  Existenz  der  Geisterwelt  weder  den  dogmatisch
bejahenden  Standpunkt  der  rationalen  Spiritualisten,  noch  den
dogmatisch  verneinenden  der  rationalistischen  ,Aufklärer',  überhaupt ­
  weder  einen  rein  rationalen  (aus  a  priorischen  Gründen
deducirenden),  noch  einen  rein  ontologischen  (über  Sein  und
            
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