Kant und der Spiritismus.
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In diesem Jahre konnte Kant des Stockholmer Brandes,
der allen übrigen Zeugnissen und seinem eigenen in den
,Träumen* zufolge im Jahre 1759 stattfand, sehr wohl mit dem
Zusatz Erwähnung thun, seit demselben sei bis zum Augenblick,
da er schrieb, eine ,kurze Zeit* verflossen. Der Zeitraum
aber zwischen der Ankunft seises zweiten Kundschafters in
Stockholm, dem es endlich gelang, bis zu Swedenborg selbst
vorzudringen, und der Abstattung von Kant’s aus Gewissenhaftigkeit
verzögertem Bericht, währte lange genug, dass sich
der Letztere durch die inzwischen empfangenen Briefe seines
englischen Freundes, der jenen selbst wiederholt gesehen, gesprochen
und sich mit dessen Schriften bekannt gemacht hatte,
für genügend unterrichtet halten durfte, dem ,Befehl* seiner
Dame endlich nachzukommen.
Es soll nicht behauptet werden, dass die Wahl dieses
Jahres keine Schwierigkeit übrig lasse, ,1m Mai dieses Jahres*,
also des Jahres, da Kant schrieb, hatte Swedenborg die Absicht,
nach London zu gehen, um ein Buch herauszugeben, und Kant,
wie er schreibt, hat alle Anstalten getroffen, dasselbe so bald
zu bekommen, als es die Presse verlassen haben würde. Dieses
Buch, wenn es wirklich erschien, kann nicht dasjenige gewesen
sein, das Kant wirklich gelesen hat und auf welches er sein
Urtheil in den ,Träumen* begründet. Denn dieses, Swedenborg’s
Hauptwerk: Arcana coelestia, in acht grossen Quartbänden
(Lond. 1749.—-1756) war damals längst vollständig vorhanden.
Seit dem Jahre 1758 aber war in der schriftstellerischen
Thätigkeit Swedenborg’s eine Pause eingetreten, und dessen
nächste Schrift, die 1763 ans Licht kam, wurde nicht mehr
wie alle vorangegangenen in London, sondern, wie die meisten
folgenden, in Amsterdam gedruckt. Eben so wenig löst die
Annahme des Jahres 1761 das Räthsel, weswegen Kant in den
,Träumen* die Geschichte mit der Königin, da sie doch kurze
Zeit nach dem Tode des Prinzen stattgefunden haben soll, drei
Jahre nachher, in dem nämlichen Jahre sich ereignen lässt, in
welchem er, wenn die obigen Schlussfolgerungen haltbar sind,
die ausführlichsten und directesten Nachrichten über dieselbe
wie über Swedenborg überhaupt empfangen haben muss. Oder
lässt sich annehmen, dass gerade dieser Umstand einen Gedächtnissfehler
bei Kant verursacht hat und ihn veranlasste,