Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 94. Band, (Jahrgang 1879)

Kant  und  der  Spiritismus.

137

In  diesem  Jahre  konnte  Kant  des  Stockholmer  Brandes,
der  allen  übrigen  Zeugnissen  und  seinem  eigenen  in  den
,Träumen*  zufolge  im  Jahre  1759  stattfand,  sehr  wohl  mit  dem
Zusatz  Erwähnung  thun,  seit  demselben  sei  bis  zum  Augenblick, ­
  da  er  schrieb,  eine  ,kurze  Zeit*  verflossen.  Der  Zeitraum
aber  zwischen  der  Ankunft  seises  zweiten  Kundschafters  in
Stockholm,  dem  es  endlich  gelang,  bis  zu  Swedenborg  selbst
vorzudringen,  und  der  Abstattung  von  Kant’s  aus  Gewissenhaftigkeit ­
  verzögertem  Bericht,  währte  lange  genug,  dass  sich
der  Letztere  durch  die  inzwischen  empfangenen  Briefe  seines
englischen  Freundes,  der  jenen  selbst  wiederholt  gesehen,  gesprochen ­
  und  sich  mit  dessen  Schriften  bekannt  gemacht  hatte,
für  genügend  unterrichtet  halten  durfte,  dem  ,Befehl*  seiner
Dame  endlich  nachzukommen.
Es  soll  nicht  behauptet  werden,  dass  die  Wahl  dieses
Jahres  keine  Schwierigkeit  übrig  lasse,  ,1m  Mai  dieses  Jahres*,
also  des  Jahres,  da  Kant  schrieb,  hatte  Swedenborg  die  Absicht,
nach  London  zu  gehen,  um  ein  Buch  herauszugeben,  und  Kant,
wie  er  schreibt,  hat  alle  Anstalten  getroffen,  dasselbe  so  bald
zu  bekommen,  als  es  die  Presse  verlassen  haben  würde.  Dieses
Buch,  wenn  es  wirklich  erschien,  kann  nicht  dasjenige  gewesen
sein,  das  Kant  wirklich  gelesen  hat  und  auf  welches  er  sein
Urtheil  in  den  ,Träumen*  begründet.  Denn  dieses,  Swedenborg’s
Hauptwerk:  Arcana  coelestia,  in  acht  grossen  Quartbänden
(Lond.  1749.—-1756)  war  damals  längst  vollständig  vorhanden.
Seit  dem  Jahre  1758  aber  war  in  der  schriftstellerischen
Thätigkeit  Swedenborg’s  eine  Pause  eingetreten,  und  dessen
nächste  Schrift,  die  1763  ans  Licht  kam,  wurde  nicht  mehr
wie  alle  vorangegangenen  in  London,  sondern,  wie  die  meisten
folgenden,  in  Amsterdam  gedruckt.  Eben  so  wenig  löst  die
Annahme  des  Jahres  1761  das  Räthsel,  weswegen  Kant  in  den
,Träumen*  die  Geschichte  mit  der  Königin,  da  sie  doch  kurze
Zeit  nach  dem  Tode  des  Prinzen  stattgefunden  haben  soll,  drei
Jahre  nachher,  in  dem  nämlichen  Jahre  sich  ereignen  lässt,  in
welchem  er,  wenn  die  obigen  Schlussfolgerungen  haltbar  sind,
die  ausführlichsten  und  directesten  Nachrichten  über  dieselbe
wie  über  Swedenborg  überhaupt  empfangen  haben  muss.  Oder
lässt  sich  annehmen,  dass  gerade  dieser  Umstand  einen  Gedächtnissfehler
  bei  Kant  verursacht  hat  und  ihn  veranlasste,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.