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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 94. Band, (Jahrgang 1879)

Kant  und  der  Spiritismus.

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Kant’s  bei  dem  dänischen  Officier  muss  daher  in  ein  Jahr
gefallen  sein,  in  welchem  der  französische  General  Graf
St.  Germain,  der  in  den  Feldzügen  des  siebenjährigen  Krieges
eine  hervorragende  Rolle  spielt,  eine  Armee  commandirte.
Dänemark,  das  seit  dem  16.  März  1756  einen  Subsidienvertrag
mit  Frankreich  hatte,  stand  während  des  siebenjährigen  Krieges
auf  französischer  Seite;  der  Abgang  eines  dänischen  Officiers
zu  einer  französischen  Armee  hat  daher  an  sich  alle  Wahrscheinlichkeit. ­
  Graf  St.  Germain  war  in  dem  Feldzug  des
Jahres  1758'  der  französischen,  in  Deutschland  operirenden
Armee  unter  dem  Marschall  Clerraont  zugetheilt  und  commandirte ­
  in  dem  für  die  Franzosen  unglücklichen  Treffen  von
Crefeld  (23.  Juni  1758)  einen  Flügel  (Arneth:  M.  Theresia,  V.
S.  530).  In  diesem  Jahre  können  der  Abgang  des  Officiers
und  die  Erkundigung  Kant’s  nicht  stattgefunden  haben;  denn
bei  der  Eröffnung  des  Feldzuges  war  der  Prinz  von  Preussen
noch  am  Leben  und  General  St.  Germain  commandirte  während
desselben  keine  Armee.  Erst  zwei  Jahre  darauf,  im  Jahre
1760,  erhielt  der  Graf  ein  selbstständiges  Commando  und
agirte  an  der  Spitze  einer  Armee  von  30.000  Mann  am  Niederrhein, ­
  während  die  Hauptarmee  unter  Broglie’s  unmittelbarer
Führung  nach  Hessen  vorrückte  (Arneth  a.  a.  0.  VI.  S.  109).
Der  Abgang  des  Freundes  Kant’s  zu  einer  ,  Armee  des  General
St.  Germain'  kann  daher  nicht  wohl  früher  als  im  Jahre  1760
sich  ereignet  haben,  und  da  der  Aufbruch  der  letzteren  im
März  stattfand,  so  wird  es  erlaubt  sein,  Kant’s  Erkundigung
bei  ihm  nicht  ohne  Wahrscheinlichkeit  in  das  Frühjahr  1760
zu  verlegen.
Um  diese  Zeit  waren  seit  dem  Tode  des  Bruders  der
Königin  ungefähr  ein  und  ein  halbes  Jahr  verflossen.  Wurde
das  Schreiben  Kant’s  an  das  Fräulein  von  Knobloch  um  diese
Zeit  verfasst,  so  steht  dessen  Inhalt  weder  mit  dem  Tode  des
Prinzen,  noch  mit  der  (wahrscheinlichsten)  Angabe  Stahlhammers,
in  Kopenhagen  verliess.  In  diesem  Fall  wäre  obiger  Brief  im  Jahre  1763
verfasst,  wofür  sich  auch  Ueberweg  (Gr.  d.  Gesell,  d.  Ph.  2.  A.  III.
S.  154)  erklärt.  Swedenborg’s  Berufung  zur  Königin  könnte  sodann,  wie
Kant  (in  den  ,Träumen 1 )  angibt,  im  Jahre  1761  stattgefunden  haben.
Zwischen  dem  Tode  des  Prinzen  und  der  Berufung  Swedenborg’s  wäre
in  diesem  Falle  allerdings  mehr  als  ,einige  Zeit 1  verflossen.
            
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