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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 94. Band, (Jahrgang 1879)

Kant  und  der  Spiritismus.

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Swedenborg  zu  schreiben,  und  dieser,  wie  er  an  das  Fräulein
schreibt,  hat  es  wirklich  gethan.  Während  er  leider  vergebens
auf  eine  Antwort  wartete,  bot  sich  ihm  die  Gelegenheit,  durch
einen  englischen  Freund,  der  nach  Stockholm  reiste,  in  Schweden
selbst  über  den  Wundermann,  ja  durch  denselben  Freund  bei
Swedenborg  persönlich  weitere  Kunde  über  den  Vorfall  mit
der  Königin  einzuziehen,  bei  welcher  Gelegenheit  er  in  die
Kenntniss  auch  der  zwei  anderen  ,Beweisthümer'  kam,  die
sein  Schreiben  dem  Fräulein  zur  Kunde  bringt,  und  die  einer
seiner  Freunde  ,vor  ungefähr  zwei  Monaten'  an  Ort  und  Stelle
zu  untersuchen  in  der  Lage  gewesen  ist.
Wäre  der  Brief  an  das  Fräulein  wirklich  am  10.  August
1758  geschrieben,  so  müsste  alles  Vorstehende,  vom  Tode  des
Prinzen  von  Preussen  angefangen,  in  die  Zwischenzeit  von
29  Tagen  sich  zusammengedrängt  haben  !  Die  Angabe  Borowski’s
kann  also  nicht  richtig  sein.
Eben  so  wenig  jedoch  die  Vermuthung  Tafel’s,  der  Brief
sei  ursprünglich  am  10.  August  1768  verfasst.  Dieser  Annahme
steht  eine  positive  Thatsache  entgegen,  deren  Angabe  gleichfalls ­
  in  dem  Briefe  enthalten  und  deren  Gewicht  seltsamerweise ­
  diesem  Gelehrten  entgangen  ist.  Wäre  das  Schreiben,
wie  Tafel  will,  im  Jahre  1768  und  somit  drei  Jahre  nach  den
,Träumen  eines  Geistersehers 1  verfasst,  die,  wie  Kant’s  Brief
an  Mendelssohn  (Kirchm.  a.  a.  0.  S.  383)  beweist,  bereits  in
den  ersten  Tagen  des  Jahres  1766  verschickt  wurden,  so  hätte
dessen  Schreiber  nicht  von  Swedenborg’s  Schriften  in  einer
Weise  sprechen  dürfen,  aus  welcher  hervorgeht,  dass  er  zur
Zeit,  da  er  es  schrieb,  keine  derselben  gekannt  habe.  Während
er  in  den  ,Träumen'  sich  auf  dieselben  bezieht,  dieselben  nicht
nur  gelesen,  sondern,  was  er  zu  bereuen  scheint,  auch  gekauft
zu  haben  erzählt,  sogar  die  Kaufsumme  angibt,  und  einen  Auszug ­
  aus  denselben  liefert,  spricht  er  iii  jenem  Briefe  die
Sehnsucht  aus,  Swedenborg’s  Schriften  kennen  zu  lernen,  die
ihm  sein  Freund  aus  Stockholm  zu  schicken  ,versprochen'  hat,
und  hat  alle  Anstalten  getroffen,  das  Buch,  welches  jener  in
London  herausgeben  will,  ,so  bald  zu  bekommen,  als  es  die
Presse  verlassen  hat'.  Beweis  genug,  dass  das  Schreiben  nicht
nach  1766  (eigentlich  1765)  abgefasst  sein  kann!
            
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