Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 94. Band, (Jahrgang 1879)

132

Z  immermann.

der  wunderbaren  Stockholmer  Begebenheit  gesetzt;  dieselbe
war  ihr  vielmehr  schon  vorher  ,bekannt'  und  zwar  durch  niemand ­
  Andern  als  durch  Kant  selbst,  der  ihr  die  ,Historie'  erzählt ­
  hatte  (X.  S.  455).  Der  Philosoph  hat  die  Nachricht,
die  er  aus  Kopenhagen  erhalten  hatte,  in  den  Kreisen  seiner
Bekannten  zunächst  mündlich  verbreitet  und  ist  erst  durch
den  ,Befehl'  einer  Dame,  ,welche  die  Zierde  ihres  Geschlechts
ist',  veranlasst  worden,  einen  ,Bericht'  über  dieselbe  auch
schriftlich  abzustatten.  Dass  die  Abfassung  desselben  aber
nicht  unbeträchtliche  Zeit  in  Anspruch  nahm,  geht  aus  den
Eingangsworten  hervor,  in  welchen  Kant  bekennt,  dass  er  sich
,so  lange'  der  Ehre  und  des  Vergnügens,  dem  Fräulein  zu
schreiben,  habe  berauben  müssen,  weil  er  es  für  nöthig  gehalten
habe,  weitere  Erkundigungen  einzuziehen.  Seine  Bestätigung
aber  findet  es  durch  die  im  Briefe  selbst  enthaltene  Schilderung
der  von  dem  Briefsteller  zu  diesem  Endzweck  getroffenen  Anstalten. ­

Das  Nächste,  was  Kant  that,  war,  dass  er  an  jenen
Officier,  dem  er  die  erste  Nachricht  über  die  ,sonderbare  Geschichte' ­
  verdankte,  nach  Kopenhagen  schrieb  und  ihm  ,allerlei
Erkundigungen'  aufgab.  Wie  aus  der  Antwort  desselben  hervorgeht, ­
  hätte  ihm  Kant  aufgetragen,  sich  neuerdings  bei  dem
Gesandten,  an  dessen  Tafel  er  den  Brief  aus  Stockholm  zu
Gesicht  bekommen  hatte,  über  die  Sache  Aufklärung  zu  holen.
Dieser  Gesandte  war  Graf  Carl  Johann  Dietrichstein,  Oberststallmeister ­
  am  Hofe  der  Kaiserin  Maria  Theresia  und  vertrauter ­
  Freund  ihres  Sohnes,  des  römischen  Kaisers  Joseph  II.,
welchen  er  unter  Anderen  auf  dessen  Romfahrt  begleitete.
Derselbe  vertrat  den  Wiener  Hof  in  Dänemark  während  der
ganzen  Dauer  des  siebenjährigen  Krieges  (1756—1763),  in
dessen  Schlussjahr  er  zu  Berlin  auf  der  Durchreise  Unterhandlungen ­
  einleitete,  welche  nachher  zum  Frieden  führten.
Kant’s  Correspondent  suchte,  ehe  er  diesem  eine  Antwort  gab,
nicht  nur  den  Gesandten,  sondern  auch  andere  Personen,  wie
den  Professor  Schlegel  (Johann  Heinrich,  den  jüngsten  Bruder
von  Johann  Elias  und  Johann  Adolf  Schlegel,  der  als  Nachfolger
seines  1749  verstorbenen  Bruders  Elias  in  Kopenhagen  lebte)
auf,  um  deren  mündliches  Zeugniss  einzuholen.  Damit  noch
nicht  zufrieden,  rieth  er  Kant,  selbst  nach  Schweden  an
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.