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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 94. Band, (Jahrgang 1879)

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54  i  m  in  e  r  ra  a  n  u.

Zuhörer  von  ihm,  war,  wie  er  in  dem  Briefe  schreibt,  ein
dänischer  Ofiicier  und  hatte  die  Nachricht  von  der  Begebenheit
Swedenborg’s  mit  der  Königin  von  Schweden  an  der  Tafel  des
österreichischen  Gesandten  am  dänischen  Hofe  ,in  Kopenhagen'
in  einem  Briefe  gelesen,  den  der  mecklenburgische  Gesandte
am  schwedischen  Hofe  in  Stockholm,  Baron  Lützow,  über  dieselbe ­
  an  diesen  geschrieben  hatte.  Es  ist  also  an  beiden  Orten
dieselbe  Begebenheit  gemeint.
Aber  jener  Brief  Kant’s  trägt  das  Datum  vom  10.  August
1758  und  in  den  ,Träumen'  (III.  S.  89)  heisst  es,  Swedenborg
sei  ,gegen  das  Ende  des  Jahres  1761'  zu  der  Fürstin  berufen
worden!  Wenn  letztere  Jahreszahl  nicht  durch  einen  Druckfehler ­
  entstanden  ist,  wofür  kein  Anzeichen  vorliegt,  so  scheint
es  fast,  dass  die  erstere  auf  einem  Lese-  oder  Gedäehtnissfebler
  beruhen  muss.  Obiger  Brief  ist  von  dem  ehrwürdigen
Biographen  Kant’s,  L.  F.  Borowski,  dem  nachherigen  Erzbischof, ­
  in  seiner  ,von  Kant  selbst  genau  revidirten  und  berichtigten' ­
  Darstellung  des  Lebens  und  Charakters  Immanuel
Kant’s  (Königsb.  1804.  S.  211—225)  mit  dem  ausdrücklichen
Zusatz  ,aus  der  Originalhandschrift'  zum  ersten  Mal  unter  der
Aufschrift:  Wie  dachte  Kant  über  Swedenborg  im  Jahre  1758?
als  Beilage  II  abgedruckt  worden.  Von  dort  ging  derselbe  in
die  Tieftrunk  -  Nicolovius’sche  Sammlung  (Bd.  IV.  S.  362  f.)
über,  wo  zugleich  der  Name  der  von  Kant  hochgeschätzten
jungen  Dame,  1  für  die  er  bestimmt  war,  sich  zuerst  angegeben
findet.  Seitdem  ist  das  Schreiben  in  alle  Gesammtausgaben  der
Werke  Kant’s  aufgenommen  und  das  von  Borowski  angesetzte
Datum  von  allen  Herausgebern  (auch  von  dem  neuesten  derselben, ­
  Kirchmann,  vgl.  dessen:  Kant’s  verm.  Schriften  und
Briefw.  S.  284)  ohne  Ausnahme  beibehalten  worden.  Der  Lesefehler, ­
  wenn  ein  solcher  vorläge,  müsste  daher  von  Borowski,
der  Gedächtnissfehler,  wenn  ein  solcher  zu  Grunde  liegt,  dagegen ­
  von  Kant  selbst  begangen  worden  sein.
Dem  Herausgeber  der  ,Urkunden  u.  s.  w.'  ist  es  wahrscheinlich ­
  erschienen,  dass  keines  von  beiden,  sondern  eine
1  Die  Adressaten,  Fräulein  Charlotte  Amalie  von  Knobloch  (geb.  10.  August
1740  und  vermählt  mit  dem  Hauptmann  Friedrich  v.  Klingsporn  22.  Juli
1764)  wäre,  wenn  das  von  Borowski  angegebene  Datum  richtig  wäre,
beim  Empfang  des  Briefes  erst  achtzehn  Jahre  alt  gewesen.
            
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