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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 94. Band, (Jahrgang 1879)

Kaut  und  der  Spiritismus.

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durch  die  g-leiclilautende  Wahrnehmung  eines  zweiten  ,  Sehers'
erfordert.  Dagegen  war,  die  Wahrheit  der  Aussage  Swedenborg’s
durch  den  empirischen  Augenschein  als  bewiesen  angenommen,
die  Wahrheit  seiner  Versicherung,  dieselbe  durch  Geistermittheilung ­
  empfangen  zu  haben,  nun  erst  zu  erweisen.
Es  lässt  sich  feststellen,  welches  die  erste  Nachricht  war,
die  Kant  über  Swedenborg’s  Wundererscheinungen  erhielt;  die
Zeit,  wann  er  dieselbe  empfing,  hat  unter  den  Anhängern
Swedenborg’s  und  den  Freunden  Kant’s  zu  einem  Streithandel
geführt,  in  dessen  Verlauf  deren  Charakter,  ja  selbst  Kant’s
eigener  von  den  Ersteren  angetastet  worden  ist.  Die  wunderliche ­
  Begegnung  des  schwedischen  Geistersehers  mit  der
schwedischen  Königin  Luise  Ulrike,  der  Schwester  Friedrich
des  Grossen,  welcher  er  auf  ihr  Verlangen  Dinge  mitgetheilt
haben  soll,  von  denen  sie  glaubte,  dass  dieselben  ausser  ihr
selbst  und  ihrem  seitdem  verstorbenen  Bruder  Niemandem  bekannt ­
  sein  könnten,  war  die  erste,  die  ihm  bekannt  wurde,
und  zwar  auf  eine  Art,  dass  er  sich  nicht  entschliessen  konnte,
dieselbe  wie  andere  Begebenheiten  aus  der  Geisterwelt  kurzweg ­
  in  das  Reich  der  unbegründeten  Sage  zu  verweisen.  Der
Brief  aber,  in  dem  er  über  dieselbe  berichtet,  und  der  in
seinen  sämmtlichen  Werken  enthalten  ist,  stellt  eines  der
wichtigsten  Zeugnisse  über  Kant’s  Verhältniss  zum  Spiritismus
dar  und  ist  von  Verschiedenen  in  sehr  verschiedenem  Sinne
ausgelegt  und  demgemäss  auch  in  sehr  verschiedene  Zeiten
verlegt  worden.
Da  es  hier  nicht  darauf  ankommt,  Swedenborg’s,  sondern
Kant’s  Verhalten  zur  Geisterwelt  zu  erörtern,  so  wird  es  genügen, ­
  den  Inhalt  jener  zu  ihrer  Zeit  viel  besprochenen  Begebenheit ­
  kurz  und  in  derjenigen  Form  anzuführen,  in  der  er
Kant  selbst  bekannt  und  von  ihm,  der  den  Anhängern  Swedenborg’s ­
  als  Zeuge  für  denselben  gilt,  privatim  und  öffentlich
weiter  erzählt  worden  ist.  Die  Königin  von  Schweden,  die  von
Swedenborg’s  Verkehr  mit  Verstorbenen  gehört  hatte  und  an
denselben  nicht  glaubte,  bekam  Lust,  diesen  auf  die  Probe  zu
stellen  und  liess  ihn  durch  einen  ihrer  Vertrauten  an  den  Hof
bescheiden.  Nachdem  sie  ihm  hier  in  Gegenwart  ihres  Gemahls,
des  Königs  Adolf  Friedrich,  einige  Fragen  vorgelegt  und  sich
zuletzt  auch  erkundigt  hatte,  ob  es  wahr  sei,  dass  er  mit  den
            
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