116
Zimrae rtnanü.
so hat er wohl Recht, insofern dies der einzige Weg wäre,
aus der Geisterwelt stammende mittels der Menschenwelt angehöriger
Vorstellungen auszudrückeu, aber Unrecht, insofern
er zu zeigen unterlässt, inwiefern die Vorstellungen beider
Welten unter einander wirklich ,verwandt' oder ,analogisch'
sein können. Die Vergleichung, die er heranzieht, um diese
Möglichkeit ,fasslich' zu machen, und nach welcher ,unsere
höheren Vernunftbegriffe, welche sich den geistigen ziemlich
nähern, gewöhnlichermaassen ein körperliches Kleid annehmen,
um sich in Klarheit zu setzen', aber hält nicht Stich,
indem ,höhere Vernunftbegriffe' und deren sinnliche Bilder
(,körperliches Kleid') beide derselben Sphäre (der menschlichen)
angehören und also wohl ,analog' sein können, hier aber von
Gedanken verschiedener Sphären (der pneumatischen und der
menschlichen) die Rede ist. Die eingeschobene Bemerkung,
welche die Aehnlichkeit beider Gedankenwelten beweisen soll,
dass ,unsere' höheren Vernunftbegriffe sich den geistigen
,ziemlich nähern', würde einerseits nur für unsere Vernunftbegriffe
die Ermächtigung enthalten, als (nicht-sinnliche) Symbole
der geistigen zu dienen, andererseits liegt darin nur eine
Wiederholung der Annahme, dass die Gedanken beider Sphären
unter einander ,verwandt' seien, was mit der gleichzeitigen
Festsetzung, dass beide der Art nach verschiedenen Welten
angehören, nicht in Einklang zu bringen ist. Vielmehr findet
Kant’s schon in seiner ersten Schrift mit so viel Scharfsinn
als Nachdruck bezüglich verschiedenen Raumwelten angehöriger
Wesen aufgestellter Satz, dass sich ein Wesen einer Raumesart
von der Existenzweise eines Wesens einer anderen Raumesart
schlechterdings keine Vorstellung zu machen im Stande sei,
im verstärkten Grade Anwendung auf die durchgreifende
Differenz, welche zwischen der Existenz- und Vorstellungsweise
eines im Raume existirenden, also materialisirten, und jener
eines unräumlichen, also im Zustand der Immaterialität beharrenden
Wesens bestehen muss.
Die ,Verwandtschaft' vorausgesetzt, findet es Kant nun
,nicht unwahrscheinlich', dass ,geistige Empfindungen' in das
(irdische) Bewusstsein übergehen könnten, indem sie ,ihnen
verwandte Phantasien' erregen. ,Auf diese Art würden Ideen,
die durch einen geistigen Einfluss mitgetheilt sind, sich in die