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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 94. Band, (Jahrgang 1879)

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Kant  und  der  Spiritismus.  109
Aber  wenn  er  auf  diese  Art  dem  Hylozoismus  entgegentritt,
der  ,Alles  belebt',  so  wendet  er  sich  andererseits  gegen  den
Materialismus,  der  ,Alles  tödtet'.  Wie  er  dem  metaphysischen
Monismus  gegenüber,  der  entweder  wie  Leibnitz  die  Elemente
des  Seienden  für  ,Seelen',  oder  wie  der  Materialismus  für
,materielle  Atome'  erklärt,  am  Dualismus  festhält  und  physische ­
  Monaden'  (einfache  materielle)  und  pneumatische  Wesen'
(einfache  immaterielle  Substanzen)  unterscheidet,  setzt  er  hier
dem  hylozoistischen  Monismus,  der  nur  ,organische',  und  dem
materialistischen  Monismus,  der  nur  ,mechanische'  Naturerscheinungen ­
  duldet,  die  Zweitheilung  derselben  in  mechanische
und  Lebenserscheinungen  entgegen.  Stahl,  der  Vertreter  der
Lebenskraft,  welcher  die  thierischen  Veränderungen  .gern
organisch  erklärt',  ist  seinem  Urtheile  nach  ,der  Wahrheit  oftmals ­
  näher',  als  Andere,  welche  wie  Boerhave  ,die  immateriellen ­
  Kräfte  aus  dem  Zusammenhang  lassen  und  sich  an
die  mechanischen  Gründe  halten'.  Dennoch  ist  die  Methode
des  Letzteren  eine  ,mehr  philosophische';  dieselbe  fehlt  wohl
bisweilen,  trifft  aber  ,mehrmalen'  zu  und  ist  in  der  Wissenschaft ­
  ,allein  von  nützlicher  Anwendung'.  Denn  sie  allein  macht
durch  die  bekannten  Bewegungsgesetze  der  Materie  die  Naturerscheinungen ­
  begreiflich;  an  dem  Einfluss  unkörperlicher
Wesen  aber  kann  ,höchstens  erkannt  werden,  dass  er  da  sei,
niemals  aber,  wie  er  zugehe  und  wie  weit  seine  Wirksamkeit
sich  erstrecke'  (III.  S.  63).
So  ist  durch  die  thatsächlichen  Lebenserscheinungen  die
Existenz  immaterieller  Wesen  zwar  wahrscheinlich  gemacht,
aber  zugleich  deren  Anzahl  vom  Standpunkt  der  Wissenschaft
auf  das  möglichst  geringe  Maass  herabgesetzt.  Die  mechanische
Naturerklärung  befindet  sich  in  Kant’s  Augen  im  Recht,  wenn
sie  der  organischen  so  viel  Boden  als  möglich  zu  entreissen  sucht.
Nur  weil  dies  nie  gänzlich  gelingen  wird,  besteht  die  Nöthigung
fort,  selbst  vom  naturwissenschaftlichen  Gesichtspunkt  aus,  die
Existenz  immaterieller  Wesen  wenigstens  so  lange  offen  zu
halten,  als  nicht  alle  bekannten  Naturerscheinungen  auf  mechanische ­
  Kräfte  und  Gesetze  zurückgeführt  sind.  Aber  auch
damit  ist  höchstens  die  Existenz  so  vieler  immaterieller  Wesen
zugestanden,  als  lebendige  Organismen  Lebensprineipien  erforderlich ­
  machen,  und  überdies  nur  die  Existenz  solcher
            
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