mmmm
Wft'
Kant und der Spiritismus. 109
Aber wenn er auf diese Art dem Hylozoismus entgegentritt,
der ,Alles belebt', so wendet er sich andererseits gegen den
Materialismus, der ,Alles tödtet'. Wie er dem metaphysischen
Monismus gegenüber, der entweder wie Leibnitz die Elemente
des Seienden für ,Seelen', oder wie der Materialismus für
,materielle Atome' erklärt, am Dualismus festhält und physische
Monaden' (einfache materielle) und pneumatische Wesen'
(einfache immaterielle Substanzen) unterscheidet, setzt er hier
dem hylozoistischen Monismus, der nur ,organische', und dem
materialistischen Monismus, der nur ,mechanische' Naturerscheinungen
duldet, die Zweitheilung derselben in mechanische
und Lebenserscheinungen entgegen. Stahl, der Vertreter der
Lebenskraft, welcher die thierischen Veränderungen .gern
organisch erklärt', ist seinem Urtheile nach ,der Wahrheit oftmals
näher', als Andere, welche wie Boerhave ,die immateriellen
Kräfte aus dem Zusammenhang lassen und sich an
die mechanischen Gründe halten'. Dennoch ist die Methode
des Letzteren eine ,mehr philosophische'; dieselbe fehlt wohl
bisweilen, trifft aber ,mehrmalen' zu und ist in der Wissenschaft
,allein von nützlicher Anwendung'. Denn sie allein macht
durch die bekannten Bewegungsgesetze der Materie die Naturerscheinungen
begreiflich; an dem Einfluss unkörperlicher
Wesen aber kann ,höchstens erkannt werden, dass er da sei,
niemals aber, wie er zugehe und wie weit seine Wirksamkeit
sich erstrecke' (III. S. 63).
So ist durch die thatsächlichen Lebenserscheinungen die
Existenz immaterieller Wesen zwar wahrscheinlich gemacht,
aber zugleich deren Anzahl vom Standpunkt der Wissenschaft
auf das möglichst geringe Maass herabgesetzt. Die mechanische
Naturerklärung befindet sich in Kant’s Augen im Recht, wenn
sie der organischen so viel Boden als möglich zu entreissen sucht.
Nur weil dies nie gänzlich gelingen wird, besteht die Nöthigung
fort, selbst vom naturwissenschaftlichen Gesichtspunkt aus, die
Existenz immaterieller Wesen wenigstens so lange offen zu
halten, als nicht alle bekannten Naturerscheinungen auf mechanische
Kräfte und Gesetze zurückgeführt sind. Aber auch
damit ist höchstens die Existenz so vieler immaterieller Wesen
zugestanden, als lebendige Organismen Lebensprineipien erforderlich
machen, und überdies nur die Existenz solcher