Kant und der Spiritismus.
103
wiederum an verschiedenen Orten zerstreuten physischen
Monaden durchaus an einem und demselben oder vielmehr
als raumlose Wesen an keinem Orte gedacht werden, so dass
von den Schwierigkeiten, welche die räumliche oder zeitliche
Entfernung oder stoffliche Hindernisse der erkennenden oder
handelnden Thätigkeit räumlicher Wesen (wie es Menschen
und Thiere sind) in den Weg legen, für das Wissen und
Handeln der ,Geister' keine Rede sein könnte. Dieselben wären
als raum- und stofflose Wesen von einander weder dem Ort, noch
der Zeit, noch der Materie nach, also überhaupt nicht äusserlich,
ihrer ,leiblichen', sondern lediglich innerlich, ihrer ,geistigen'
Qualität nach (etwa als gute und böse) von einander verschieden,
und eben so wenig ihrer örtlichen als zeitlichen Lage
oder mehr oder minder verfeinerten Leiblichkeit (etwa als
Wesen der Ober- und Unterwelt, ältere und jüngere, grobmaterielle
oder ätherische Wesen), sondern lediglich ihrer
grösseren oder geringeren geistigen Vollkommenheit nach (als
bessere und schlechtere, mehr und minder intelligente Geister)
einander über- neben- und untergeordnet zu denken. Ihre
Totalität, die pneumatische Welt, liess sich wie die Totalität
der physischen Monaden, die mechanische Welt, als ein Ganzes
betrachten, dessen elementare Bestandtheile, die Geistermonaden,
durch ein gemeinsames geistiges, wie die Bestandtheile der
letzteren, die Körpermonaden, durch ein gemeinsames mechanisches
Band zusammengehalten und zu einem pneumati-.
sehen Kosmos (Geisterreich), wie diese zu einem physischen
(Naturreich) verknüpft werden. Wie Newton die Gravitation
als eine wahre Wirkung einer allgemeinen Thätigkeit
der Materie in einander zu behandeln ,kein Bedenken trug',
der er den Namen der ,Anziehung' gab, nimmt Kant keinen
Anstand, ,die Erscheinung der sittlichen Antriebe in den
denkenden Naturen, wie solche sich auf einander wechselweise
beziehen, als die Folge einer wahrhaft geistigen Kraft, dadurch
geistige Naturen in einander einfliessen, vorzustellen,
so dass das sittliche Gefühl diese empfundene Abhängigkeit
des Privatwillens vom allgemeinen Willen wäre
und eine Folge der natürlichen und allgemeinen Wechselwirkung,
dadurch die immaterielle Welt ihre sittliche (wie
die materielle durch die Gravitation ihre mechanische) Einheit