Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 94. Band, (Jahrgang 1879)

94  Zimmermann.
Beide  Schriften  sind  rein  physikalischer  Natur  und  beweisen, ­
  mit  welcher  Sorgfalt  sich  Kant  mit  dem  Standpunkt
der  damaligen  (Newton’schen)  Physik  vertraut  gemacht  hat.
In  den  Betrachtungen  über  das  Feuer  führt  er  dasselbe  stofflich ­
  auf  eine  elastische  Materie  zurück,  welche  die  Elemente
der  Körper,  zwischen  welchen  sie  enthalten  ist,  zusammenhält,
und  deren  wellenförmige  Bewegung  das  ist,  was  man  Wärme
nennt.  In  der  ,physischen'  Monadologie  zieht  er  im  Gegensatz
zu  Leibnitz,  dessen  Welterklärung  auf  der  vorstellenden
Natur  der  Monaden  beruht,  statt  deren  innerer  (immanent
thätiger),  im  Anschluss  an  Newton,  dessen  Welterklärung  auf
der  Wechselwirkung  anziehender  und  abstossender  Kräfte  beruht, ­
  deren  ,äussere'  (transient  thätige)  Natur  in  Betracht.
Da  Alles,  was  auf  diesem  Wege  durch  ,physische'  Kräfte  zu
Stande  kommt,  selbst  nicht  anders  als  physischer  Natur
sein  kann,  so  folgt,  dass  entweder  nur  Physisches  existirt,  oder
wenn  Nicht-Physisches  existirt,  dessen  Wirkungen  und  Gesetze ­
  auch  nicht  die  des  Physischen  sein  können.
Jene  Consequenz,  die  der  Materialismus  zieht,  der  die
Existenz  eines  Nicht-Physischen  leugnet,  wollte  Kant  nicht
ziehen.  Widerstrebte  ihm,  wie  oben  gezeigt,  die  Idee  der
Optimisten,  dass  diese  (wirkliche)  Welt  die  einzige,  so  widerstrebte ­
  ihm  ebenso  die  der  Materialisten,  dass  die  physische
Welt  die  ganze  Welt  sei.  Wenn  diese  dreidimensionale  Welt
die  einzige  Welt  ist,  dann  war  es  mit  der  Hoffnung  auf  Fortdauer ­
  des  unsterblichen  Geistes  in  einer  Welt  anderer  Raumesart, ­
  war  die  physische  Welt  die  ganze  Welt,  dann  war  es
mit  der  Hoffnung  auf  eine  Fortexistenz  desselben  im  Zustande
,erhöheter'  (raum-  und  materiefreier)  Natur  vorbei.  Diese  Consequenz, ­
  dass  Nicht-Physisches  existire,  durfte  Kant  nur  ziehen,
wenn  Erscheinungen  als  unbezweifelbare  Thatsachen  Vorlagen,
welche  unter  ausschliesslicher  Annahme  physischer  Kräfte
und  Gesetze  unerklärlich  blieben.  Die  Existenz  eines  Nicht-Physischen,
  die  seiner  ,Lieblingsneigung',  sowie  die  Existenz
einer  Vielheit  von  Welten,  die  seiner  ,Hoffnung  auf  Zukunft'
entsprang,  musste  so  lang  problematisch  bleiben,  bis  unbezweifelbare ­
  Thatsachen  den  Schluss  auf  die  Existenz  des  Einen
oder  des  Anderen  zwingend  gemacht  haben  würden.  Dieselbe
musste  nur  dann  definitiv  geleugnet  werden,  wenn  sich  deren
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.