80
Werner.
IV. Capitel.
Die Quellen.
Ueber diesen Punkt handelte Dr. Harczyk im zweiten
Theile seines Aufsatzes S. 146—173, ohne aber den Gegenstand
zu erschöpfen; ja man muss sogar sagen, in unbefriedigender
Weise. Er vermochte es nicht, die Untersuchung systematisch
zu führen; z. B. sagt er S. 164 wörtlich: ,Vers 4609
bis 4736 (W) Alexander komt in das Land Occidratis. In
dieser Partie finden wir ganz merkwürdige Uebereinstimmungen
mit dem Lib. [= Hdp], auch in kleinen Zügen*. Nun vergleicht
er Vers 4626 If. ir vihe unde ir wib, di sint von in gesclieiden
an die breiten beiden. Lib. Filii vero et uxores eorurn separati
sunt ab illis cum animalibus. Es heisst aber im PsK III 5
ausdrücklich: ei;w6cv 3s a'uxwv p.ay.pav dito otaox-jp.axo; ixoXXou etSs
xkq yuvaixai; y.ai xa itatSta auxOv üq Ttoijxvia ^poßdxwv vsp.op.svai; und bei
JV 3, 5 Forum filii conjugesque pascendis pecudibus occupantur
und Ekkehard liest genau ebenso wie die Hdp. Auch die andere
Parallele, für die Harczyk selbst zugleich den PsK anführt,
beweist mehr für eine nähere Verwandtschaft von M und dem
Lib. Doch ist auf einem solchen Wege nicht viel Heil für die
Frage zu erwarten.
Freilich bietet die Erschöpfung des Gegenstandes ihre
grossen Schwierigkeiten, denn die Untersuchung über die antiken
Quellen der Alexandersage ist kaum erst begonnen. Wichtige
Darstellungen liegen noch nicht in brauchbarer Gestalt vor,
während anderes bis jetzt nur in den Hss. und alten, meist
sehr verderbten Drucken zu benutzen ist. Daher muss auch
ich mich darauf beschränken, das Einschneidendste und Entscheidendste
zu erwähnen, um doch wenigstens eine Sonderung
im Grossen und Ganzen vorzunehmen. Dabei müssen drei
Theile unterschieden werden: ich behandle I. die bei Lambrecht
fehlende, von seiner französischen Quelle mit Absicht zurückgewiesene
Vorgeschichte, II. den historisch strengeren Theil,
der von VMB gemeinsam überliefert ist, III. die mehr sagenhafte
Darstellung von Alexanders Zügen, welche in V nicht
mehr erhalten ist.