Beitrage zur Diplomatik VII.
735
Beziehung die Erzbischöfe von Salzburg. Denn nachdem
Theotmar schon unter Karlmann diese Würde bekleidet hatte,
war sie ihm unbestritten unter Arnolf und Ludwig IV. bis zu
seinem Tode im Jahre 907. Und indem sich auch sein Nachfolger
Pilgrim bis zum Ende Konrads als Erzkapellan behauptet
hatte, konnte in Salzburg am ehesten die Vorstellung
entstehen, dass der dortige Metropolit ein Anrecht auf das
Erzkapellanat habe. Aber erst unter Otto fand der dritte
Nachfolger Pilgrims, d. h. Erzbischof Herold Gelegenheit, sein
Recht geltend zu machen. Indessen hatten die Erzbischöfe von
Mainz ein wo möglich besseres Anrecht erworben, das nur
wieder eingeschränkt wurde durch ähnliche Ansprüche von
Trier und Köln. Ja die Mainzer strebten nach der ausschliesslichen
Würde für das ganze Reich, während Salzburg, Trier
und Köln nur auf kleineren Gebieten anerkannt sein wollten.
Sollte es sich nun auch blos um Ehrenrechte gehandelt haben,
was kaum anzunehmen ist, so musste schon diese Concurrenz
dem Erzkapellanate abträglich werden. Noch mehr aber schadete
dem Ansehen der vier Erzkapellane, dass sie sich den
Plänen des Königs Otto widersetzten und doch schliesslich
unterlagen. Die Opposition der vier Erzbischöfe läuft ziemlich
parallel mit der der Herzoge und berührt sich mit derselben
in mehr als einem Punkte. Offenbar hat auch ihnen gegenüber
Otto begründete Ansprüche anerkennen, aber zugleich seine
königliche Autorität geltend machen wollen. Wie schwer ihm
das gemacht wurde, zeigen die Vorgänge des Jahres 939.
Friedrich von Mainz hatte sich offen der Empörung angeschlossen
und musste endlich in Haft genommen werden.
Aber als Erzkapellan wie als Erzbischof unabsetzbar musste
er nach wie vor, so mächtig war doch das Herkommen, in
den Präcepten des Königs genannt werden, genoss also auch
als Rebell die mit der Würde verbundenen Vortheile. Ich
deutete schon an, dass bei der Erhebung Bruns zum Kanzler
wohl die Absicht mitgewirkt haben wird, die Kanzlei von allen
anderen Einflüssen frei und zum unbedingten Werkzeuge des
Königthums zu machen. Nun aber schloss sich auch in den
folgenden Jahren bald dieser bald jener der vier Erzbischöfe
wiederholt der Opposition an und gerade der Mainzer ging
in ihr am weitesten. Noch als Otto seinen Zug über die Alpen