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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

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S  ickel.

das  begründet  einen  Unterschied,  dass  der  Fall  unter  Poppo
vereinzelt  dasteht,  während  unter  Bruno  durch  einige  Jahre
hindurch  fast  das  ganze  Geschäft  solchen  nichtständigen  Notaren ­
  überlassen  wurde.  Ferner,  während  Notker  sich  auf  die
ihm  anvertraute  Arbeit  so  gut  wie  die  anderen  damals  in  der
Kanzlei  thätigen  Notare  verstand,  lassen  die  Leistungen  jener
unter  Bruno  auftretenden  Männer  sehr  viel  zu  wünschen  übrig.
Man  mag  die  Schrift  der  betreffenden  Originaldiplome  ins
Auge  fassen  oder  die  Dictamina  oder  die  Protokollformeln
oder  die  Zählungsweise  der  Jahresmerkmale,  so  muss  man
zweifeln,  ob  diese  Männer  gelernte  und  geschulte  Notare  sind,
ob  sie  mit  der  Tradition  vertraut  sind  und  sich  an  das  Herkommen ­
  binden  wollen.  Durch  sie  ist  das  Urkundenwesen
geradezu  in  Unordnung  gebracht  worden.  Indem  einige  von
ihnen  unter  Liudolf  wieder  auftreten,  indem  dann  Männer
gleichen  Schlages  zur  Kanzleiarbeit  zugezogen  werden,  reisst
immer  grössere  Willkür  und  Nachlässigkeit  ein,  wie  ich  das
schon  an  anderem  Orte  gezeigt  habe.  1  So  verhält  es  sich  in
Wirklichkeit  mit  den  angeblichen  Verdiensten  Bruns  um  die
Kanzlei.  Unter  all  den  seit  948  von  Brun  bestellten  Notaren
macht  nur  Otbert  eine  vortheilliafte  Ausnahme.  Von  seinem
ersten  Auftreten  an  legte  er  Proben  seiner  Kenntnisse  und
Fertigkeiten  ab,  und  das  mag  man  wenigstens  noch  zu  schätzen
gewusst  haben,  indem  man  ihn  später  zum  ständigen  Mitglied
der  Kanzlei  machte.
Ich  habe  schon  früher  2  Otbert  und  seine  Genossen  unter
Liudolf  als  Lothringer  bezeichnet.  Hier  trage  ich  nach,  dass  ich
auch  Brun  C,  D,  E,  F  demselben  Kreise  zureehne.  Dass  sie  unter
einander  in  Verbindung  stehen,  geht  schon  daraus  hervor,  dass
mehrfach  je  zwei  derselben,  wie  obige  Zusammenstellung  lehrt,  an
demselben  Präcept  gearbeitet  haben.  Es  werden  Mönche  gewesen
sein,  die  entweder  aus  Lothringen  nach  Magdeburg  gekommen
waren  oder  doch  in  das  S.  Morizkloster  eingetreten,  dort  gelernt ­
  hatten,  Mönche  die  dem  Könige  aufwarteten,  wenn  er
in  die  Nähe  von  Magdeburg  kam,  und  ihm  dann  etwa  auch
einmal  bis  nach  Franken  oder  Westfalen  folgten,  aber  immer

1  In  den  Beitr.  zur  Dipl.  6.
2  Beitr.  zur  Dipl.  6,  367  ff.
            
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