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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

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Sick  el.

vom  Jahre  887  tritt  er  lediglich  als  Erzbischof  auf.  1  So  ist
möglicher  Weise  von  einer  förmlichen  Ernennung  Liutwards
zum  Erzkapellan  schon  deshalb  Abstand  genommen  worden,
weil  der  Erzkapellan  Witgar  noch  am  Leben  war.  Dann
erklärt  sich  auch,  dass  Liutbert,  als  er  Liutward  als  oberster
Chef  der  Kanzlei  folgte, 2  noch  eine  Zeit  lang  archicancellarius
hiess. 3  Er  hat  vermuthlich  diesen  Titel  mit  dem  eines  Erzkapellans ­
  erst  nach  dem  Tode  Witgars  vertauschen  können.
Ist  aber,  wie  nach  alle  dem  anzunehmen  ist,  Liutward
nicht  allgemein  anerkannter  archicapellanus  gewesen,  so  ist
die  seit  854  bestandene  Verbindung  der  Kanzlei  mit  dem  Erzkapellanat
  unter  Karl  III:  nochmals  gelöst  worden.  Und  das
betrachte  ich  als  Liutwards  Werk.  Zuerst  hat  allerdings  die
unter  Ludwig  dem  Deutschen  eingeführte  Ordnung  fortbestanden ­
  und  auch  Liutward  hat  als  Kanzler  sich  dem  zum
Erzkapellan  erhobenen  Bischof  Witgar  untergeordnet  (BRK.
897  und  900). 4  Aber  diese  Stellung,  mit  der  doch  eine  gewisse ­
  Abhängigkeit  verbunden  war,  wird  seinem  Ehrgeize  und
seiner  Herrschbegierde  nicht  genügt  haben.  Er  versuchte  also
(BRK.  899)  in  der  Weise  zu  recognosciren,  wie  es  einst
unter  Karl  dem  Grossen  Rado  und  zuletzt  unter  Ludwig  dem
Frommen  Helisaehar  gethan  hatte.  Und  wie  hier,  so  ignorirte
er  auch  ferner  in  der  Recognitionsformel  der  Diplome  den  Erzkapellan ­
  und  wählte  eine  Formel,  welche  die  bisherigen  Beziehungen ­
  der  Kanzlei  zum  Erzkapellanat  aufgehoben  erscheinen
lässt.  Indem  er  seit  BRK.  901  regelmässig  an  seiner  Statt
unterfertigen  liess,  vertauschte  er  zugleich  den  Titel  eines

1  Von  Theotmar  von  Salzburg,  welcher  ja  gleichfalls  unter  Karlomann  Erzkapellan ­
  gewesen  war,  ist  mir  ebenso  wenig  bekannt,  dass  ihm  unter
Karl  je  dieser  Titel  beigelegt  worden  sei.
2  Diimmler  2,  284,  wo  jedoch  in  Anm.  66  fälschlich  Böhmer  RK.  1020
vom  24.  Juli  887  als  noch  advicem  Liutwardi  recognoscirt,  angeführt
wird:  dies  ist  die  erste  anstatt  Liutberts  unterfertigte  Urkunde;  s.  auch
Mühlbacher  a.  a.  O.  345.
3  So  auch  im  Context  von  Böhmer  R.  K.  1020;  ferner  in  den  Unterschriften
von  B.  1021,  1022  und  von  dem  hier  einzureihenden  B.  1015.
4  Er  steht  zu  Witgar  in  demselben  Verhältniss,  wie  Witgar  in  den  Jahren
858  -  860  zu  Grimold.  Nur  begründet  es,  worauf  ich  zurückkomme,
einen  Unterschied,  dass  der  Kanzler  Liutward  hier  selbst  recognoscirt.
            
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