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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

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Sickel.

887  zur  Regel.  1  Selbst  das  anfängliche  Schwanken  wird  man
wohl  dahin  deuten  dürfen,  dass  Liutward  bereits  im  Beginn
der  Regierung  Karls  nach  dem  ausschliesslichen  Einfluss  gestrebt ­
  hat,  welchen  er  dann  zehn  Jahre  lang  ausgeübt  hat. 2
Als  unumschränkter  Gebieter  über  den  König  und  dessen  Reich
verdrängte  er  jede  andere  Persönlichkeit,  die  sonst  durch
Geburt,  Verdienst  oder  Amt  zu  Ansehen  bei  Hofe  berufen
schien.  Eine  Stellung  der  Art  lässt  sich  zumeist  nicht  genau
definiren.  Dennoch  will  ich  dies  mit  Bezug  auf  die  Kanzlei
versuchen.
Indem  eine  ununterbrochene  Reihe  von  125  Diplomen
advicem  Liutwardi  unterfertigt  ist,  müssen  wir  ihn  für  die
betreffende  Zeit  als  alleinigen  Chef  der  Kanzlei  betrachten.
Dagegen  scheint  es  mir  nicht  so  festzustehen,  wie  es  Dümmler
und  Waitz  annehmen,  3  dass  Liutward  auch  Erzkapellan  geworden ­
  sei.  Allerdings  wird  ihm  zuweilen  in  Königsurkunden
und  sonst  dieser  Titel  beigelegt.  An  das  Originaldiplom  für
Langres  vom  4.  November  882  mit  der  Subscription  advicem  L.
archicapellani  4  schliessen  sich  noch  die  Copien  von  Böhmer
RK.  937  (J.  882)  und  952  (J.  883)  an.  Dazu  kommt  ein
Präcept  vom  24.  Juni  883,  in  dessen  Context  Karl  Liutward
nostri  palatii  archicappellanum  nennt,  und  die  Urkunde  des
Bischofs  Chadolt  von  Novara  mit:  fratre  meo  .  .  .  L.  archicapellano.
 5  Ferner  redet  ihn  Notker  in  einer  Widmung  so  an.  r >
Endlich  berichtet  der  Fulder  Annalist  1.  c.  ad  a.  887:  rex  .  .  .
eum  deposuit,  ne  esset  archicappellanus.  Nun  stehen  aber  diesen
Beispielen,  von  denen  die  in  Diplomen  einem  kurzen  Zeiträume ­
  angehören,  122  Recognitionen  gegenüber,  in  denen  Liutward ­
  Erzkanzler  genannt  wird.  Auch  mehr  als  30  Male  wird
er  so  in  den  Erzählungen  der  Diplome  betitelt.  Jenes  scheint
1  Ueber  die  Steigerung  von  cancellarius  zum  summus  cancellarius,  archicancellarius,
  archinotarius  8.  Acta  Karol.  1,  98  und  Mühlbacher  in  Wiener
S.  B.  92,  348.
2  Ann.  Fuld.  in  SS.  1,  404:  imperator  .  .  .  priscis  temporibus,  id  est  ex  quo
rex  in  Alamannia  constitutus  est,  quendam  de  suis  ex  infimo  genere  natum
nomine  Lintwardum  supra  omnes  qui  erant  in  regno  suo  exaltavit.
3  Desgleichen  jetzt  auch  Mühlbacher  a.  a.  O.
4  Forschungen  z.  d.  G.  9,  414.
5  Fiekler  Quellen  und  Forschungen  5  n°  6.
6  Dümmler  in  Mitth.  der  antiqu.  Gesellschaft  in  Zürich  12,  224.
            
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