Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

ßf)4

S  i  c  lt  e  L

Wahrheit  des  Inhalts,  die  über  allem  Zweifel  erhaben  sein  soll,
zu  haften  haben.  Schon  dadurch  allein,  dass  die  Recognition
an  Umfang  und  Bedeutung  gewann,  wurde  auch  die  Stellung
der  Kanzlei,  welcher  sie  oblag,  eine  andere.  Es  würde  sich
so,  meine  ich,  genügend  erklären,  wenn  der  Kanzlei  erst  von
diesem  Wendepunkt  an  eine  bestimmtere  Gestalt  und  festere
Normen  für  ihre  Functionen  verliehen  sein  sollten.  Dabei  mag
die  Einsicht  in  die  neue  Lage  der  Dinge  und  in  deren  Nöthigung
  erst  mit  der  Zeit  gekommen  und  daher  die  wesentliche
Neuerung  nur  allmählich  durchgedrungen  sein.  Als  solche  betrachte ­
  ich,  dass  die  Geschäfte  der  Kanzlei  in  eine  leitende
Hand  gelegt  worden  sind.  Bekanntlich  traten  zuvor  mehrere
Referendare  zu  gleicher  Zeit  auf.  1  Dasselbe  Verhältniss  scheint
noch  in  den  ersten  Jahren  Pippins  fortbestanden  zu  haben.  2
Aber  im  Laufe  seiner  Regierung  oder  spätestens  bei  dem  Regierungsantritt ­
  seiner  Söhne  hat  eine  Reformation  der  königlichen ­
  Kanzlei  stattgefunden.
Seitdem  gab  es  nur  je  einen  Kanzler:  daran  ist  nicht
allein  im  Gesammtreich  festgehalten  worden,  sondern  auch  im
ostfränkischen  oder  deutschen  Reiche  bis  zu  der  Zeit,  da  für
Nebenreiche  auch  besondere  Kanzler  bestellt  werden  mussten.
Berufen  auf  den  Posten  wurden  blos  Freigeborne,  angesehene
Männer,  die  sich  der  Gunst  und  des  Vertrauens  des  Königs
erfreuten,  die  überdies  die  nöthigen  Geschäftskenntnisse  besassen.
  Die  eigentliche  Arbeitslast  jedoch  und  insbesondere
die  Besorgung  der  Reinschriften  (litterae  grossae)  wälzten
schon  die  ersten  Kanzler  Karl  des  Grossen  auf  ihre  Untergebenen ­
  ab,  die  von  Anfang  an  zahlreich  und  verschieden
gestellt  gewesen  zu  sein  scheinen.  Unter  diesen  Schreibern
oder  Notaren  der  Kanzlei  linden  wir  allerdings  hie  und  da
Männer,  welche  mit  der  Zeit  es  zum  Kanzler  bringen  oder
sonst  zu  hoher  Stellung  und  Einfluss  gelangen.  Aber  die  Mehrzahl ­
  derselben  ist  unbekannt  geblieben.  3  Auch  bei  der  Ver-1

  Waitz  Verfassung-sgeschichte  2,  411.
2  Acta  Karol.  1,  76.
3  Es  gilt  von  ihnen,  was  Hirschfeld  Untersuchungen  1,  203  von  den  unter
den  römischen  Kaisern  nach  Claudius  mit  der  cura  epistolarum  betrauten
Personen  sagt;  kein  einziger  Name,  der  im  höheren  Sinne  des  Wortes
historisch  zu  neunen  wäre,  begegnet  später  in  diesen  Aemtern.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.