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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

Beiträge  zur  Diplomatik  VII.

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auch  der  Concipient  der  Urkunden  gewesen;  erst  die  Einwürfe
von  Ficker 1  haben  mich  zu  nochmaliger  Prüfung  der  Diplome
auf  diese  Frage  hin  veranlasst,  der  ich  nun  in  etwas  neue  Ergebnisse ­
  verdanke.  Kurz  es  ist  erst  eine  ganze  Reihe  von
Punkten  aufzuklären,  ehe  wir  sagen  können,  auf  wessen  Rechnung ­
  dieses  oder  jenes  Moment  zu  setzen  ist  und  wie  in  den
einzelnen  Perioden  die  Arbeit  in  der  Kanzlei  auf  die  Individuen
vertheilt  und  deren  Zusammenwirken  geregelt  worden  ist.  In
manchen  Fällen  habe  auch  ich  noch  keine  Entscheidung  treffen
können  und  muss  dahingestellt  sein  lassen,  ob  Andere  nach
mir  glücklicher  sein  werden.  Indem  ich  aber  in  der  Mehrzahl
der  Fälle  zu  sicherem  Ergebniss  gelangt  bin  und  Kanzler,
Recognoscenten,  Subscribenten,  Scriptoren  und  Dictatoren  zu
unterscheiden  gelernt  habe,  kann  ich  jetzt  daran  gehen,  jenes
Capitel,  das  ich  in  den  bisherigen  Geschichten  der  Kanzlei
vermisse,  zunächst  bis  zum  Jahre  953  und  etwas  darüber  hinaus
zu  schreiben.
In  erster  Linie  ist  die  Lösung  dieser  Aufgabe  allerdings
dadurch  bedingt,  dass  uns  Material  in  grösserem  Umfange
und  in  entsprechender  Beschaffenheit  zu  Gebote  steht.  Schon
aus  den  abschriftlichen  oder  gedruckten  Urkunden  lässt  sich
manches  herauslesen.  Aber  den  rechten  Schlüssel  bieten  doch
nur  die  Originale.  In  Folge  dieses  Umstandes  hat  mein  Versuch, ­
  den  Geschäftsgang  in  der  Kanzlei  von  dem  Jahre  751
bis  zum  Jahre  953  zu  ergründen,  verschieden  ausfallen  müssen.
Ich  habe  nämlich  fast  sämmtliche  Archetypa  der  Perioden
751—876  und  911—953  selbst  untersucht, 2  dagegen  aus  dem
dazwischen  liegenden  Zeitraum  nicht  so  viele,  dass  ich  da
schon  das  letzte  Wort  zu  sagen  mich  getrauen  möchte.  Immerhin ­
  glaube  ich  die  Hauptmomente  der  Entwicklung  auch  in
den  Jahren  876—911  richtig  erkannt  zu  haben.  Bei  diesem
Stand  meiner  Vorarbeiten  werde  ich  mich  auch  nicht  scheuen,
die  einzelnen  Zeitabschnitte  verschieden  zu  behandeln.  Boi
1  Beiträge  zur  Urkundeulehre  2,  27.
2  Hier  begründet  es  noch  einen  Unterschied,  dass  ich  einen  Theil  dieser
Diplome  vor  vielen  Jahren,  einen  andern  in  den  letzten  unter  den  Händen
gehabt  habe,  denn  erst  mit  der  Zeit  habe  ich  auf  die  Merkmale  achten
,  gelernt,  mit  denen  ich  jetzt  operire.
            
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