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Sickel.
Anschauung von dem Gang der Entwicklung- vom achten bis
zehnten Jahrhundert auf, dass sich die Kanzler mehr und mehr
von der Arbeit zurückgezogen und diese den Notaren überlassen
haben.
Andererseits hält Stumpf an seinen Ansichten fest. Noch
in seiner letzten Publication erklärt er: ,Allerdings vindicire
ich den jeweiligen Kanzlern (freilich nicht gleichmässig allen)
neben anderweitiger Thätigkeit auch einen directen Einfluss
auf das gesammte Urkundenwesen, vor allem in unserer Epoche',
womit das zehnte und eilfte Jahrhundert gemeint ist. 1 Indem
ich nun wieder, soweit es sich um die Diplome der Ottonen
handelt, die ich in den letzten Jahren unter den allergünstigsten
Umständen und in eingehendster Weise geprüft habe, zu
widersprechen genöthigt hin, ist die Differenz zwischen uns
heute mindestens eben so gross als vor sechzehn Jahren.
Ist das Problem, das wir uns beide gestellt haben, wirklich
zu lösen? Wenn das der Fall ist, haben die Kanzler in dem
Grade, den Stumpf annimmt, oder in der von mir vertretenen
Beschränkung das Urkundenwesen bestimmt? Lassen sich zeitliche
Abschnitte machen in dieser innerhalb der Kanzlei sich
abspielenden Geschichte? Lassen sich die Grenzen erkennen,
bis zu denen sich in den einzelnen Perioden die Einflussnahme
der Kanzler erstreckt hat und über die hinaus andere Personen
den Ausschlag gegeben haben? Diese und andere Fragen
müssen wir einmal zu beantworten suchen. Sollte es uns nicht
gelingen, wenigstens annähernd den Geschäftsgang und die
Arbeitstheilung in der Kanzlei festzustellen, so müssten wir
auf manches Kriterium Verzicht leisten, von dem wir mit ziemlicher
Zuversicht Gebrauch gemacht haben, ja auf den Anspruch
der Vorzüglichkeit unserer Disciplin. 2 Je mehr also auf
dem Spiele steht und je schwieriger unsere Aufgabe zu lösen
ist, desto mehr halte ich an meinem bisherigen Vorgänge fest:
1 Wirzburger Immunitäten 2, 63. Derselbe Gedanke wird sehr oft in diesen
beiden Abhandlungen wiederholt.
2 Ich täusche mich nicht darüber, dass noch mancher Historiker von der
Diplomatik eine geringe Meinung hegt. Selbst Böhmer scheint nach
seinem Briefe vom 4. April 1803 (Leben 3, 403) keine grossen Erwartungen
an Stumpfs und meine Forschungen geknüpft zu haben.