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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

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Sickel.

Anschauung  von  dem  Gang  der  Entwicklung-  vom  achten  bis
zehnten  Jahrhundert  auf,  dass  sich  die  Kanzler  mehr  und  mehr
von  der  Arbeit  zurückgezogen  und  diese  den  Notaren  überlassen ­
  haben.
Andererseits  hält  Stumpf  an  seinen  Ansichten  fest.  Noch
in  seiner  letzten  Publication  erklärt  er:  ,Allerdings  vindicire
ich  den  jeweiligen  Kanzlern  (freilich  nicht  gleichmässig  allen)
neben  anderweitiger  Thätigkeit  auch  einen  directen  Einfluss
auf  das  gesammte  Urkundenwesen,  vor  allem  in  unserer  Epoche',
womit  das  zehnte  und  eilfte  Jahrhundert  gemeint  ist. 1  Indem
ich  nun  wieder,  soweit  es  sich  um  die  Diplome  der  Ottonen
handelt,  die  ich  in  den  letzten  Jahren  unter  den  allergünstigsten ­
  Umständen  und  in  eingehendster  Weise  geprüft  habe,  zu
widersprechen  genöthigt  hin,  ist  die  Differenz  zwischen  uns
heute  mindestens  eben  so  gross  als  vor  sechzehn  Jahren.
Ist  das  Problem,  das  wir  uns  beide  gestellt  haben,  wirklich
zu  lösen?  Wenn  das  der  Fall  ist,  haben  die  Kanzler  in  dem
Grade,  den  Stumpf  annimmt,  oder  in  der  von  mir  vertretenen
Beschränkung  das  Urkundenwesen  bestimmt?  Lassen  sich  zeitliche ­
  Abschnitte  machen  in  dieser  innerhalb  der  Kanzlei  sich
abspielenden  Geschichte?  Lassen  sich  die  Grenzen  erkennen,
bis  zu  denen  sich  in  den  einzelnen  Perioden  die  Einflussnahme
der  Kanzler  erstreckt  hat  und  über  die  hinaus  andere  Personen
den  Ausschlag  gegeben  haben?  Diese  und  andere  Fragen
müssen  wir  einmal  zu  beantworten  suchen.  Sollte  es  uns  nicht
gelingen,  wenigstens  annähernd  den  Geschäftsgang  und  die
Arbeitstheilung  in  der  Kanzlei  festzustellen,  so  müssten  wir
auf  manches  Kriterium  Verzicht  leisten,  von  dem  wir  mit  ziemlicher ­
  Zuversicht  Gebrauch  gemacht  haben,  ja  auf  den  Anspruch ­
  der  Vorzüglichkeit  unserer  Disciplin. 2  Je  mehr  also  auf
dem  Spiele  steht  und  je  schwieriger  unsere  Aufgabe  zu  lösen
ist,  desto  mehr  halte  ich  an  meinem  bisherigen  Vorgänge  fest:

1  Wirzburger  Immunitäten  2,  63.  Derselbe  Gedanke  wird  sehr  oft  in  diesen
beiden  Abhandlungen  wiederholt.
2  Ich  täusche  mich  nicht  darüber,  dass  noch  mancher  Historiker  von  der
Diplomatik  eine  geringe  Meinung  hegt.  Selbst  Böhmer  scheint  nach
seinem  Briefe  vom  4.  April  1803  (Leben  3,  403)  keine  grossen  Erwartungen ­
  an  Stumpfs  und  meine  Forschungen  geknüpft  zu  haben.
            
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