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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

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Iv  r  e  m  e  r.

(und  Gehalte),  sowie  der  Oekonomie  hierin,  er  baut  prächtige
Palläste,  feste  Burgen  und  ausgedehnte  Städte,  hehre  Tempel;
er  beschenkt  königlich  die  an  seinem  Hoflager  erscheinenden
Grossen  der  fremden  Völker  und  Häuptlinge  der  Stämme;  er
spendet  Wohlthaten  an  seine  Verwandten,  schenkt  Geld  und
Ehren  seinen  Anhängern  und  Dienern,  er  inspicirt  selbst  die
Soldtruppen,  weist  ihnen  regelmässig  ihre  Rationen  zu  und
zahlt  ihnen  ihre  Löhnung  Monat  für  Monat,  so  dass  sich
die  Wirkung  davon  selbst  in  ihrer  Kleidung,  Ausrüstung  und
Bewaffnung  an  den  Festtagen  zeigt;  er  überbietet  hiedurch
die  befreundeten  Mächte  und  flösst  den  feindlichen  Schrecken
ein'  u.  s.  w.
,Die  vierte  Phase  ist  eine  Periode  der  Genügsamkeit  und
der  Friedensliebe:  der  Fürst,  befriedigt  mit  dem  von  seinen
Vorfahren  ihm  übertragenen  Ruhme,  lebt  im  Frieden  mit  den
andern  Fürsten  und  ahmt  sorgfältig  das  Verhalten  seiner  Vorfahren ­
  nach;  durchdrungen  von  der  Ueberzeugung  ihrer  Weisheit ­
  hielte  er  sich  für  verloren,  wenn  er  von  dem  durch  sie
ihm  gegebenen  Beispiele  abwiche.'
,Die  fünfte  Phase  hat  die  Misswirtschaft  und  Verschwendung ­
  zur  Begleitung,  der  Fürst  gibt  in  Genusssucht  und  Schwelgereien ­
  die  von  seinen  Vorfahren  angesammelten  Schätze  aus,
verschwendet  reiche  Geschenke  an  seine  Günstlinge  und  Gehalte ­
  an  die  Werkzeuge  seiner  Lüste,  denen  er  hohe  Aemter
überträgt,  die  auszufüllen  sie  unfähig  sind.  Er  verletzt  hiemit
das  Selbstgefühl  der  leitenden  Männer  seines  Volkes  und  jener,
die  ihr  Vermögen  der  Grossmuth  seiner  Vorfahren  verdanken,
bis  sie  es  ihm  nachtragen  und  sich  von  ihm  zurückziehen;  bis
die  Soldtruppen  von  ihm  abfallen,  weil  er  ihre  Löhnung  auf
seine  Gelüste  ausgegeben  hat  ohne  sich  je  um  sie  zu  bekümmern.
So  zerstört  er  was  von  seinen  Vorfahren  gegründet  worden
und  reisst  er  nieder,  was  sie  gebaut.'  1
Der  Verlauf  der  Geschichte  ist  also,  wie  sich  aus  obigen
Stellen  mit  Sicherheit  erkennen  lässt,  ein  Kreislauf  und  wiederholt ­
  sich  fort  und  fort.  Dass  diese  Ansicht  nicht  erst  von
Ibn  Chaldun  aufgestellt  ward,  sondern  schon  früher  von  den
Denkern  des  Orients  ersonnen  worden  sei,  können  wir  daraus

1  I,  356  (314  ff.).
            
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