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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

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Kremer.

eine  Last  für  das  Reich;*  wie  die  Frauen  und  Kinder  brauchen
sie  einen  Schutzherrn;  der  Gemeinsinn  ist  bei  ihnen  gänzlich
erloschen,  der  Muth,  sei  es  um  die  Ihrigen  zu  vertheidigen,
sei  es  um  den  Feind  anzugreifen,  fehlt  ihnen  gänzlich  und
dessenungeachtet  suchen  sie  die  Masse  zu  täuschen  durch
ihre  kriegerische  Ausrüstung,  ihre  Gewänder,  schönen  Pferde
und  ihre  ritterliche  Gervandtheit.  Alles  das  ist  Spiegelfechterei,
denn  sie  sind  gewöhnlich  feiger  als  die  Frauen;  werden  sie
angegriffen,  so  sind  sie  unfähig  zum  Widerstande  und  der
Fürst  stützt  sich  nothgedrungen  dann  auf  Fremde  von  anerkannter ­
  Kriegstüchtigkeit;  er  umgibt  sich  mit  Freigelassenen
und  Clienten  in  einer  Zahl,  die  zur  Vertheidig-ung  der  Herrschaft ­
  genügend  scheint/
,Dies  sind  also  die  drei  Generationen,  im  Verlaufe  welcher
die  Reiche  altern  und  verfallen/
,In  der  vierten  Generation  schwinden  die  Macht  und  der
Glanz  gänzlich/
,Die  Dauer  der  drei  Generationen  ist  hundertzwanzig  Jahre
und  gilt  gewöhnlich  für  eine  Dynastie,  es  sei  denn,  dass  ausnahmsweise ­
  Zustände  einwirken.  Verlängert  sich  die  Dauer  des
Reiches  noch  mehr,  so  geschieht  dies,  weil  Niemand  daran  denkt
es  anzugreifen;  aber  es  ist  dies  ein  ganz  zufälliger  Umstand;  der
Verfall  erreicht  es  immer,  wenn  es  auch  von  Niemand  bedroht
wird.  Hätte  sich  früher  ein  Feind  eingestellt,  so  würde  er
keinen  Widerstand  gefunden  haben.  Zuletzt  kommt  doch  der
Zeitpunkt  des  Sturzes  (des  Reiches),  den  Niemand  um  eine
Stunde  beschleunigen  oder  hinausschieben  kann/
,Die  Reiche  haben  also,  wie  die  Individuen  eine  Existenz,
ein  Leben,  das  ihnen  eigen  ist,  sie  wachsen,  erreichen  die
Reife  und  beginnen  dann  zu  verfallen/  1
,Die  Entwicklungsphasen,  die  jedes  Reich  durchzumachen
hat,  sind  mehrere.  Dieselben  üben  auf  den  Charakter  jener,
die  das  Reich  stützen  (der  herrschenden  Partei),  einen  Einfluss
aus  und  theilen  ihnen  Eindrücke  mit,  die  ihnen  früher  fremd
waren,  denn  der  Charakter  der  Menschen  hängt  von  der  Lage
ab,  in  der  sie  sich  befinden.  Diese  Entwicklungsphasen  im  Leben
der  Staaten  können  gewöhnlich  auf  fünf  beschränkt  werden/

1  I,  347  (306).
            
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