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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

Ibn  Chaldun  und  seine  Culturgeschiclite  der  islamischen  Reiche.

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dauer  von  sechzig-  bis  siebzig  Jahren,  wie  dies  auch  in  einem
Aussprüche  des  Propheten  bestätigt  wird'.
,Auch  die.  Dauer  der  Reiche  wechselt  nach  den  Conjuncturen
  der  Gestirne,  überschreitet  aber  in  der  Regel  nicht  drei
Generationen.  Das  Leben  einer  Generation  hat  die  Länge  der
mittleren  Lebensdauer  des  Menschen,  nämlich  vierzig  Jahre/
,Die  Dauer  eines  Reiches  erstreckt  sich  nun  gewöhnlich
nicht  über  drei  Generationen.  In  der  That,  die  erste  Generation ­
  bewahrt  ihren  Charakter  als  Nomadenvolk,  die  rauhen
Gewohnheiten  des  wilden  Lebens,  die  Massigkeit,  Tapferkeit,
Raublust  und  die  Gewmhnheit  der  Theilung  der  obersten  Gewalt.
Auf  diese  Art  bleibt  der  Stammessinn  dieser  Generation  in
voller  Kraft,  ihr  Schwert  ist  immer  schneidig,  die  Nachbarschaft ­
  eines  solchen  Stammes  ist  gefürchtet  und  die  fremden
Stämme  lassen  sich  von  ihm  besiegen.  Der  Besitz  der  Herrschaft ­
  und  das  daraus  entspringende  Wohlbefinden  wirken  auf
den  Charakter  der  zweiten  Generation:  bei  ihr  werden  die
Sitten  und  Gewohnheiten  des  nomadischen  Lebens  verdrängt
durch  die  des  sesshaften  Lebens,  die  Noth  hat  sich  in  Wohlstand ­
  verwandelt  und  die  Theilung  der  Herrschaft  in  Autokratie. ­
  Ein  Einziger  übt  alle  Autorität  aus,  das  Volk,  zu
lässig  um  den  Versuch  zu  machen  dieselbe  wieder  zu  erobern,
tauscht  die  Herrschlust  aus  gegen  die  Erniedrigung  und  die
Unterwürfigkeit.  Der  Gemeinsinn,  der  es  belebte,  schwächt
sich  in  gewissem  Maasse,  aber  immer  bemerkt  man,  dass  diese
Generation,  ungeachtet  ihrer  Erniedrigung,  noch  ein  gut  Theil
der  Eigenschaften  sich  erhalten  hat,  die  sie  von  der  vorhergegangenen ­
  Generation  überliefert  bekam.  Sie  hat  deren  Sitten,
deren  Stolz,  ihre  Ruhmsucht,  die  Kampflust  gegen  den  Feind
gekannt;  aus  diesem  Grunde  kann  sie  den  ursprünglichen  Geist
nicht  ganz  einbüssen.  Sie  hofft  sogar  eines  Tages  alle  diese
Vorzüge  der  ersten  Generation  wieder  zu  erlangen,  vielleicht
schmeichelt  sie  sich  sogar  dieselben  noch  zu  besitzen/
,Die  dritte  Generation  hat  vollständig  das  Nomadenleben
und  die  einfachen  Sitten  der  Wüste  vergessen;  sie  kennt  nicht
mehr  den  Reiz  des  Ruhmes  und  des  Gemeinsinnes,  indem  sie
gewohnt  ist  dem  Gebote  eines  Meisters  sich  zu  fügen;  der
Luxus  erreicht  unter  ihr  die  höchste  Stufe,  indem  sie  sich  in
alle  Genüsse  des  Lebens  stürzt.  Eine  solche  Volksmenge  ist
            
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