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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

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Krem  er.

,Ganz  anders  verhält  es  sich  hingegen  in  jenen  Ländern,
wo  der  Gemeinsinn  und  die  Stammesverbrüderung  nicht  besteht; ­
  dort  hat  der  Machthaber  keinen  Aufstand  zu  besorgen,
denn  Erhebungen  sind  dort  äusserst  selten.  So  ist  es‘,  fährt
Ibn  Chaldun  fort,  ,in  unseren  Tagen  in  Syrien  und  Aegypten,
denn  daselbst  ist  das  Volk  nicht  in  Stämme  gegliedert.  Vorzüglich ­
  gilt  dies  aber  von  Aegypten:  der  Beherrscher  dieses
Landes  ist  vollkommen  sicher  gegen  Aufstände  und  Unbotmässigkeit.
  Es  gibt  daselbst  nur  zwei  Parteien:  den  Machthaber ­
  (mit  seinem  Anhänge)  und  an  blinden  Gehorsam  gewöhnte
Unterthanen.  Die  Regierung,  geleitet  von  einem  Fürsten  türkischer ­
  Abkunft  und  von  Schaaren  von  verlässlichen  Anhängern
derselben  Nationalität  unterstützt,  geht  von  einem  Machthaber
auf  den  andern  über.' 1  —-  ,Ein  ähnlicher  Zustand  der  Dinge
besteht  jetzt  in  Spanien,  wo  gegenwärtig  Ibn  Ahmar  herrscht.
Als  die  Dynastie  dieses  Fürsten  zuerst  auftrat,  war  sie  ziemlich ­
  schwach  und  hatte  wenig  Truppen.  Sie  entsprang  aus  einer
arabischen  Familie,  die  im  Dienste  der  Ommajjaden  gestanden
war  und  von  der  nur  mehr  eine  kleine  Anzahl  sich  erhalten  hatte.
Als  die  arabische  Oberherrschaft  gestürzt  und  durch  die  berberischen
  Dynastien  der  Almoraviden  und  der  Almohaden  verdrängt ­
  ward,  wurde  die  arabische  Bevölkerung  Spaniens  durch
die  siegreichen  Berberen  so  hart  und  gewaltthätig  behandelt,
dass  sie  gegen  ihre  neuen  Beherrscher  bald  von  Ingrimm  und
Erbitterung  erfüllt  war.  Als  nun  die  Almohaden-Macht  allmälig
ihrem  Ende  sich  näherte,  traten  die  Prinzen  dieses  Hauses
dem  christlichen  Könige  von  Castilien  eine  grosse  Anzahl  von
festen  Plätzen  ab  in  der  Hoffnung  von  ihm  Unterstützung  zu
erhalten,  um  Marocco  (die  Hauptstadt  des  Almoliaden-Reiches)
zurückerobern  zu  können  (welche  Stadt  seitdem  in  die  Gewalt
der  Meryniden  gekommen  war).  Diesen  Anlass  benützten  alle
alten  arabischen  Familien,  die  noch  in  Spanien  geblieben  waren
und  ihren  nationalen  Geist  bewahrt  hatten,  um  sich  zu  vereinigen. ­
  Ihrem  Ursprünge  getreu  hatten  sie  wenig  Neigung
sich  in  den  Städten  niederzulassen  und  feste  Wohnsitze  zu
wählen,  sondern  blieben  dem  Kriegshandwerke  zugethan.  Ibn
Hud  (der  Fürst  von  Saragossa),  Ibn  Ahmar  (Fürst  von  Granada)

1  I,  338  (297).
            
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