Ibn Chaldun und seine Culturgeschichte der islamischen Keiche.
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lität der politischen Einrichtungen des Orients stand nämlich
in directem Verhältnisse zu dem Ueberwiegen des Ackerbau
treibenden und städtischen Elementes über das nomadische.
Y.
Entstehung und Verfall der Staaten.
Haben wir im Vorhergehenden gesehen, dass der arabische
Geschichtsphilosoph den Bestand der Reiche auf den Gemeinsinn
und die Religion gründet, so kann es uns nicht überraschen
und wir werden es nur als logische Folge dieses Vordersatzes
erkennen, wenn er weiters die Ansicht vertritt, dass in Ländern,
die von zahlreichen Stämmen und verschiedenen Völkerschaften
bewohnt sind, schwer ein Reich entstehen könne. Er begründet
diese Behauptung auch damit, dass eben in einem solchen
Lande eine Menge verschiedener Bestrebungen und Denkarten
herrschen, deren jede ihre Anhänger und Vertheidiger besitze,
aus diesem Grunde seien Aufstände gegen die bestehenden
Behörden äusserst häufig und wenn auch die Regierung sich
auf die Ergebenheit ihrer Partei stütze, so sei es doch vergeblich,
denn die unter ihrer Herrschaft stehenden Stämme besitzen jeder
für sich seinen besonderen Gemeinsinn (Nationalität) und jeder
hält sich für stark genug, um selbstständig sein zu wollen.
Als Beleg für diese Behauptung werden die Ereignisse
angeführt, die in Nordafrika vom Beginne des Islams bis in
die Zeiten Ibn Chalduns sich abspielten. ,Die Bevölkerung
jener Gegenden besteht aus Berberen, die in zahlreiche Stämme
sich scheiden, wovon jeder von einem lebhaften Gemeinsinne
beseelt ist. Als die Araber sie mit dem Schwerte unterworfen
und zum Islam bekehrt hatten, benützten sie jeden Anlass
sich zu erheben und den aufgedrungenen Glauben abzuschwören.
Nicht wenig trug hiezu der Umstand bei, dass die Berberen
nomadisch lebten und in Stämmen organisirt waren, wodurch
sich der Gemeinsinn der Familie und des Stammes äusserst
lebhaft erhielt.' 1
1 I, 337 (296).