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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

Ibn  Chaldun  und  seine  Culturgeschichte  der  islamischen  Keiche.

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lität  der  politischen  Einrichtungen  des  Orients  stand  nämlich
in  directem  Verhältnisse  zu  dem  Ueberwiegen  des  Ackerbau
treibenden  und  städtischen  Elementes  über  das  nomadische.

Y.
Entstehung  und  Verfall  der  Staaten.
Haben  wir  im  Vorhergehenden  gesehen,  dass  der  arabische
Geschichtsphilosoph  den  Bestand  der  Reiche  auf  den  Gemeinsinn ­
  und  die  Religion  gründet,  so  kann  es  uns  nicht  überraschen
und  wir  werden  es  nur  als  logische  Folge  dieses  Vordersatzes
erkennen,  wenn  er  weiters  die  Ansicht  vertritt,  dass  in  Ländern,
die  von  zahlreichen  Stämmen  und  verschiedenen  Völkerschaften
bewohnt  sind,  schwer  ein  Reich  entstehen  könne.  Er  begründet
diese  Behauptung  auch  damit,  dass  eben  in  einem  solchen
Lande  eine  Menge  verschiedener  Bestrebungen  und  Denkarten
herrschen,  deren  jede  ihre  Anhänger  und  Vertheidiger  besitze,
aus  diesem  Grunde  seien  Aufstände  gegen  die  bestehenden
Behörden  äusserst  häufig  und  wenn  auch  die  Regierung  sich
auf  die  Ergebenheit  ihrer  Partei  stütze,  so  sei  es  doch  vergeblich,
denn  die  unter  ihrer  Herrschaft  stehenden  Stämme  besitzen  jeder
für  sich  seinen  besonderen  Gemeinsinn  (Nationalität)  und  jeder
hält  sich  für  stark  genug,  um  selbstständig  sein  zu  wollen.
Als  Beleg  für  diese  Behauptung  werden  die  Ereignisse
angeführt,  die  in  Nordafrika  vom  Beginne  des  Islams  bis  in
die  Zeiten  Ibn  Chalduns  sich  abspielten.  ,Die  Bevölkerung
jener  Gegenden  besteht  aus  Berberen,  die  in  zahlreiche  Stämme
sich  scheiden,  wovon  jeder  von  einem  lebhaften  Gemeinsinne
beseelt  ist.  Als  die  Araber  sie  mit  dem  Schwerte  unterworfen
und  zum  Islam  bekehrt  hatten,  benützten  sie  jeden  Anlass
sich  zu  erheben  und  den  aufgedrungenen  Glauben  abzuschwören.
Nicht  wenig  trug  hiezu  der  Umstand  bei,  dass  die  Berberen
nomadisch  lebten  und  in  Stämmen  organisirt  waren,  wodurch
sich  der  Gemeinsinn  der  Familie  und  des  Stammes  äusserst
lebhaft  erhielt.'  1

1  I,  337  (296).
            
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