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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

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Kr  e  m  er.

nicht  weit  in  die  Wüste  Vordringen.  Unter  diese  Classe  rechnet
Ihn  Ghaldun  die  Berberen,  die  Slaven,  Türken  und  die  diesen
verwandten  Turkomanen.  Ganz  anders  aber  verhält  es  sich
mit  jenen  Stämmen,  die  sich  vorzüglich  der  Zucht  der  Kameele
widmen.  Diese  sind  gezwungen,  tief  hinein  in  die  Wüsten
sieh  zu  begeben,  denn  das  Kameel  bedarf  der  Wüstenpflanzen
zur  Nahrung,  es  muss  das  brackige  Wasser  der  Wüste  trinken
und  sich  in  diesen  Strichen  im  Winter  aufhalten,  wo  es  nicht
nur  eine  laue,  trockene  Luft  findet,  sondern  auch  jene  mit
feinem  Sande  bedeckten  Stellen  benützen  kann,  um  die  Jungen
zu  werfen.
Man  weiss,  dass  das  junge  Kameel  von  der  Geburt  an
bis  zum  Augenblicke  seiner  Entwöhnung  ausserordentlich  schwer
zu  erziehen  ist  und  vor  allem  der  Wärme  bedarf.  Diese  mit
der  Kameelzucht  beschäftigten  Nomadenstämme  halten  sich
also  vorzüglich  in  der  Wüste  auf,  welche  sie  nach  allen  Richtungen ­
  durchwandern.  Von  den  Grenzen  des  Culturlandes
zurückgewiesen,  wo  man  sie  fürchtet  und  hasst,  sind  sie  fast
gänzlich  auf  das  Leben  in  der  Wüste  beschränkt  und  gelten
deshalb  bei  den  Städtern  als  wild,  unbezähmbar  und  raubsüchtig. ­
  Zu  dieser  Classe  gehören  die  arabischen  Nomadenstämme, ­
  dann  die  nomadischen  Berberen  in  Afrika,  die  Kurden
und  einige  turkomanische  und  türkische  Stämme  im  Oriente.
Am  meisten  aber  von  allen  sind  die  Araber  an  das  Wanderleben ­
  der  Wüste  gewöhnt,  weil  sie  fast  ganz  der  Kameelzucht
obliegen,  während  jene  ausserdem  auch  Schafe  und  Rinder
züchten.  1
Diese  Scheidung  des  Volkslebens  in  das  nomadische  und
das  sesshafte  ist  von  grosser  Wichtigkeit  für  die  Erkenntniss
jener  Länder  und  es  darf  hiebei  nicht  vergessen  werden,  der
Unterabtheilung  in  Ganznomaden  und  Halbnomaden  Rechnung
zu  tragen,  welch  letztere  die  Uebergangsstufe  zur  sesshaften
Bevölkerung  bilden,  aus  welcher  das  Städtewesen  hervorgegangen ­
  ist.  Es  wird  sich  nämlich  später  zeigen,  von  welchem
Einflüsse  auf  die  politische  Geschichte  der  einzelnen  Länder
des  Orients  es  war,  welches  von  diesen  verschiedenen  Volkselementen ­
  in  jedem  derselben  die  Oberhand  hatte.  Die  Stabi-1

  I,  257  (223).
            
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