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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

Ibn  Chaldun  und  seine  Culturgeschichte  der  islamischen  Reiche.

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Einöden  eing'eschlossen.  Selbst  Persien  wird,  trotzdem  es  im
Alterthume  nächst  Babylonien  zu  den  bestcultivirten  Ländern
gehörte,  von  weiten  unbewohnten  und  dürren  Landstrichen
'  durchzogen.
Seit  den  ältesten  Zeiten  der  geschichtlichen  Ueberlieferung
ist  daher  dieses  vorderasiatische  Ländergebiet,  ebenso  wie  das
nordafrikanische  Küstenland,  der  Sitz  eines  eigenthümlichen
Nomadenlebens  gewesen,  das  sich  von  den  Tagen  der  biblischen
Patriarchen,  durch  alle  Jahrhunderte  hindurch  bis  in  die  Gegenwart ­
  mehr  oder  weniger  unverändert  erhalten  hat,  während
auf  dem  culturfähigen  Gebiete,  oft  in  unmittelbarer  Berührung
mit  dem  Nomadenthum  und  theils  aus  demselben  hervorgegangen, ­
  uralte  Städte  und  bürgerliche  Gemeinwesen  sich  bildeten, ­
  die  in  ihrem  Gebiete  und  so  weit  sie  Schutz  gegen  die
Eingriffe  der  Nomaden  gewähren  konnten,  auch  sesshafte  Landbebauer ­
  beherbergten.
Dieser  in  das  höchste  Alterthum  zurückreichende  Zusammenhang ­
  und  Wechselverkehr  zwischen  dem  Nomadenelement ­
  und  den  grossen  Städten,  sowie  den  sesshaften  Gemeinwesen, ­
  hatte  auch  die  Folge,  dass  sich  die  höhere  Cultur  dieser
den  wandernden  Hirtenstämmen  in  gewissem  Grade  mittheilte
und  unter  ihnen  ein  regeres  Culturleben  sich  zu  entwickeln
begann,  das  schon  in  den  ältesten  Urkunden  des  hebräischen
Volkes  deutlich  zu  erkennen  ist  und  später  bei  den  Arabern
einen  ziemlich  hohen  Grad  der  Vei-feinerung  erreichte.
Es  ist  nach  dem  Gesagten  leicht  zu  begreifen,  wie  es
kommt,  dass  der  arabische  Culturhistoriker  die  Ei’scheinungsformen
  des  Volkslebens  in  die  zwei  grossen  Classen  des  Nomadenthums ­
  und  des  sesshaften  Lebens  scheidet,  1  von  denen  er
ersteres  natürlich  als  die  ältere  bezeichnet.
Er  macht  hiebei  einen  Untei-schied  zwischen  den  verschiedenen, ­
  der  ersten  Classe  angehörigen  Völkerstämmen  und
stützt  sich  auf  seine  eigenen  Wahrnehmungen,  denn  zu  seiner
Zeit  bestand,  sowie  noch  heutzutage,  das  Nomadenthum  in
Nordafrika  und  Vorderasien  unverändert  fort.
Die  einen  züchten  Schafe,  Rinder  oder  Ziegen  und  brauchen
für  ihre  Weideplätze  saftige  Gründe,  aus  welcher  Ursache  sie

I,  254  (220).
            
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