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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

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K  r  e  m  e  r.

Instinktes  und  nicht  der  Reflexion  und  Ueberlegung;  3.  die
Erwerbthätigkeit  und  die  Arbeit,  welche  die  verschiedenartigsten
Lebenserfordernisse  liefern;  4.  der  Associationstrieb,  das  ist  das
Gefühl,  welches  die  Menschen  anregt,  zusammen  zu  wohnen,
sei  es  nun  in  Städten,  sei  es  unter  Zelten.  Es  veranlasst  sie
hiezu  der  Hang  für  die  Gesellschaft  und  der  Drang  ihrer  Bedürfnisse, ­
  denn  die  Natur  drängt  sie,  gegenseitig  sich  zu  unterstützen ­
  in  der  Verfolgung  des  Lebensunterhaltes;  5.  und  6.  der
Zustand  der  Association  in  seiner  doppelten  Form,  nämlich
a)  dem  Nomadenleben  und  b)  dem  sesshaften  Leben.  Jn  beiden
Fällen,  erfährt  der  Zustand  der  Gesellschaft  Veränderungen  von
grosser  Bedeutung.'
,Diesem  Plane  entsprechend  theilt  sich  dieses  erste  Buch
(unseres  Geschichtswerkes)  in  sechs  Abschnitte:  1.  über  die
menschliche  Association  im  Allgemeinen,  über  die  Verschiedenheit ­
  der  Menschenrassen  und  der  von  ihnen  bewohnten  Länder;
2.  über  die  Association  bei  den  Nomaden,  unter  Besprechung
der  halbwilden  Stämme  und  Völker;  3.  über  die  Regierungsformen, ­
  das  Chalifat,  das  Königthum  und  die  in  jedem  Reiche
nothwendiger  Weise  bestehenden  Staatsämter;  4.  über  die  charakteristischen ­
  Merkmale  der  Civilisation  des  sesshaften  Lebens
und  über  die  Bedeutung  der  Städte  und  Provinzen  liiefür;
5.  über  die  Gewerbe  und  die  verschiedenen  Mittel  den  Lebensbedarf ­
  zu  erwerben  und  Reichthum  zu  gewinnen;  6.  über  die
Wissenschaften  und  die  Mittel  sie  zu  erlernen  und  sich  zu
unterrichten.'  1
Es  kann  nicht  der  Zweck  dieser  Abhandlung  sein,  Ibn
Chalduns  oben  skizzirten  Plan  hier  weiter  zu  verfolgen;  es
genügt,  seinen  Gedankengang  wiedergegeben  zu  haben  und  im
Folgenden  das  Bild  seiner  Geschichtsauffassung  hieraus  zu
entwerfen.
Jedenfalls  ist  schon  aus  dieser  Anlage  des  Werkes  ersichtlich, ­
  dass  er,  ganz  in  demselben  Sinne  wie  die  moderne  europäische ­
  Wissenschaft,  unter  Culturgeschichte  die  Darstellung  der
gesammten  Thätigkeit  eines  Volkes  auf  dem  grossen  Gebiete
des  geistigen  und  materiellen  Schaffens  versteht.  Und,  wenn
uns  etwas  befremdet,  so  ist  es  der  Umstand,  dass  er  als

1  I,  85  (68).
            
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